Wer Rad fährt, ist gegen das Auto. Wer Auto fährt, ist gegen das Fahrrad. Das ist zwar sehr einfältig, aber die gesellschaftliche Wahrnehmung kennt hier kein Pardon. Auf Bahnfahren können sich hingegen alle einigen.

Seit gut einer Woche tingelt der Sonderzug "Connecting Europe Express" durch Europa. Bis 7. Oktober soll dieser durch 26 Länder fahren, um Werbung für grenzüberschreitende Bahnprojekte zu machen. Das ist derzeit gar nicht so einfach, denn zahllose nationale Gesetze und Regelungen erschweren den transeuropäischen Schienenverkehr.

Hochrangige Politiker

Auf die Beliebtheit der Bahn wirkt sich das aber nicht aus. Als der Express am Freitagvormittag am Bahnsteig 11 des Wiener Hauptbahnhofs einfuhr, empfingen ihn erstaunlich viele hochrangige Politiker aus Österreich und Europa: EU-Kommissar Johannes Hahn, der Vizepräsident des EU-Parlaments Othmar Karas (ÖVP), der österreichische EU-Kommissions-Vertreter Martin Selmayr, ÖBB-Chef Andreas Matthä und Bahn-vida-Gewerkschafter Günter Blumthaler begrüßten den Express, ebenso wie Vertreter der Bahnen der Nachbarländer und der EU-Behörden.

Sie alle nützten die Gelegenheit anhand des Sonderzugs, die Bedeutung des Schienenverkehrs für klimafreundliche Mobilität und Transport in der EU in den Vordergrund und sich mit dem Zug ins Bild zu rücken.

"Die europäische DNA"

"Der Connecting Europe Express symbolisiert für mich die europäische DNA", sagte EU-Kommissar Hahn, vor allem hier in Wien, wo die Schienen Europas aus Ost und West zusammenlaufen." Die Schiene sei zudem ein wichtiger Beitrag für eine klimafreundliche Lösung. Karas betonte, dass EU-weit ein Viertel der Treibhausgase auf den Verkehr entfallen, in Österreich seien es sogar ein Drittel. Er sprach sich daher für den weiteren Ausbau der Bahn aus. "Mit keinem anderen Verkehrsmittel könnten Menschen und Güter so klimafreundlich ans Ziel kommen", sagte er.

ÖBB-Chef Andreas Matthä legte den Finger in die europäische Bahnwunde: "Der Connecting Europe Express zeigt uns die täglichen Herausforderungen beim grenzüberschreitenden Bahnverkehr auf", sagt er. "Wir brauchen deutlich mehr europäische Vereinheitlichung."

Planungen seit Februar

Und tatsächlich war es langwierig den Express auf die Schiene zu bekommen. Die Vorbereitungen starteten im Februar, sagt Kristian Schmidt, Direktor für Landverkehr bei der EU-Kommission, der "Wiener Zeitung". Neben den unterschiedlichen Regelungen gebe es in Europa ja auch drei unterschiedliche Spurweiten, die iberische ist schmäler, die Spurweite im Baltikum ist breiter.

"Die Europäische Integration ist nun 70 Jahre alt", sagt Schmidt. "Wir vereinheitlichten den Markt, starteten das Erasmus-Programm für Studierende, brachten europaweites Roaming für Handys auf den Weg und liberalisierten sogar die Flugbranche." Absurderweise komme das Offensichtlichste, der Bahnverkehr, nun erst als letztes dran. Jedenfalls werde mit Hochdruck an einer Vereinheitlichung der Rahmenbedingungen gearbeitet, versicherte er.

Die EU ist also bereit für grenzenlosen Bahnverkehr. Jetzt müssen nur noch die Mitgliedsstaaten mitziehen. Eine positive gesellschaftliche Wahrnehmung wäre ihnen jedenfalls sicher.