Die Industriestaaten-Organisation OECD rät der Europäischen Zentralbank (EZB) ungeachtet kräftig steigender Preise zum Festhalten an ihren Konjunkturhilfen. Die Risiken für den wirtschaftlichen Aufschwung nach der Corona-Krise seien groß, heißt es in dem am Freitag veröffentlichten Bericht. Ein Anstieg der Firmenpleiten, eine anhaltend hohe Arbeitslosigkeit und sinkende Investitionen könnten die Aussichten eintrüben.

Auch könnte die Pandemie mit dem Aufkommen neuer, impf-resistenter Virusvarianten neu aufflammen. "Die konjunkturstimulierende Geldpolitik sollte fortgesetzt werden", rät die OECD deshalb.

Und das so lange, bis sich die Inflation solide der EZB-Zielmarke von zwei Prozent annähert. Die Teuerungsrate war im August auf 3,0 Prozent hochgeschnellt, den höchsten Wert seit rund zehn Jahren. "Der Anstieg dürfte vorübergehender Natur sein", sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde jedoch. Auch die OECD geht davon aus, dass die Inflation mittelfristig immer noch vom Zwei-Prozent-Ziel der EZB entfernt bleiben dürfte. "Vor diesem Hintergrund, ist eine geldpolitische Unterstützung weiterhin erforderlich", so die Organisation.

Die EZB drosselt das Tempo bei ihren Notfallhilfen für die sich aus der Virus-Krise lösende Euro-Wirtschaft. Die Währungshüter beschlossen am Donnerstag, die Anleihenkäufe des "PEPP" getauften Notfall-Programms gegenüber den vorangegangenen beiden Quartalen moderat zu verringern. Auch damit könnten günstige Finanzierungsbedingungen bewahrt werden. "Die Erholung der Wirtschaft des Euroraums schreitet zunehmend voran", begründete Lagarde den Schritt. Bis Ende dieses Jahres werde die Wirtschaftsleistung voraussichtlich das Niveau von vor der Pandemie erreichen.

Das auf insgesamt 1,85 Billionen Euro angelegte PEPP-Programm ist eines ihrer Hauptinstrumente, um den Kreditfluss an die Wirtschaft während der Covid-Krise zu stützen. Ziel ist es, während der Pandemie günstige Finanzierungsbedingungen für Unternehmen, Staaten und Haushalte zu bewahren. (apa/reuters)