Deutschland kann beim Aufbau des Wasserstoffgeschäfts nach Einschätzung von Industrieunternehmen zunächst nicht auf den Einsatz von Erdgas verzichten. "Solange Wasserstoff aus erneuerbaren Energien nicht in ausreichenden Mengen und zu attraktiven Preisen zur Verfügung steht, brauchen wir für den zügigen Marktaufbau auch Wasserstoff aus Erdgas", sagte der Chef des Gaskonzerns Wintershall, Mario Mehren, am Mittwoch auf einem Kongress des Strom- und Gaslobbyverbandes in Berlin.

Wird Wasserstoff aus Erdgas gewonnen, spricht man von "grauen Wasserstoff". Bei der Produktion entsteht CO2.

Wasserstoff spielt eine Schlüsselrolle bei der Energiewende und für die Erreichung der Klimaschutzziele. Er kann etwa in der Stahlindustrie den Einsatz von Kohle ersetzen und für Prozesse in der Chemieindustrie und im Verkehrssektor genutzt werden. Die deutsche Bundesregierung will den Aufbau des Marktes mit Milliardensummen unterstützen. Damit das Klima geschont wird, soll der Wasserstoff mit Ökostrom produziert werden und damit "grün" sein. Da die Kapazitäten zunächst nicht reichen, kann auch Erdgas eingesetzt werden. Dies trifft bei Umweltschützern jedoch auf Kritik. Beim Einsatz von Erdgas wird zwar weniger CO2 als bei Kohle erzeugt, aber immerhin noch etwa die Hälfte.

"Ich fände es fatal, wenn Gas nicht die Rolle bekommt, als Brücke zu funktionieren", sagte der Chef von Siemens Energy , Christian Bruch, auf dem Kongress. Gasturbinen - wie auch sein Konzern sie baut - würden noch viele Jahre laufen. Der Rahmen müsse noch klarer definiert werden. "Wir müssen bereit sein nachzusteuern. Das ist für die Bundesregierung, die kommt, wichtig. Wir brauchen Förderung und ein anderes Marktdesign", so Bruch auf die anstehende deutsche Parlamentswahl.

US-Unternehmen zieht es nach NRW

Das deutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen festigt indessen seinen Anspruch, Wasserstoff-Bundesland Nummer eins zu werden. Amerikas führender Anbieter von grünem Wasserstoff treibt seine Expansion in Europa voran. Hauptsitz soll in Nordrhein-Westfalen sein. "Die Expansion nach Europa ist eine Folge des wachsenden Kundenstamms von Plug im Ausland und der zunehmenden Nachfrage nach grüner Wasserstoffenergie", teilte Unternehmenschef Andy Marsh nach einem Treffen mit NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart in Washington mit. Die europäische Zentrale sei Teil der Strategie von Plug, seine Belegschaft angesichts der steigenden Nachfrage nach Lösungen für saubere Energie schnell auszubauen. Das Unternehmen beabsichtige, bis 2025 mehr als 500 Tonnen grünen Wasserstoff pro Tag zu produzieren. (apa, reuters)