So hoch war die Inflation schon lange nicht. Genau genommen seit zehn Jahren nicht mehr. Laut Statistik Austria betrug die Teuerung im August 3,2 Prozent und ist damit so hoch wie seit 2011 nicht mehr. Für Sparer ist das schlecht, weil die Zinsen nach wie vor sehr niedrig sind. Und volkswirtschaftlich? Es kommt darauf an, sagen Ökonomen. Vor einer langfristig hohen Inflation muss man sich noch nicht fürchten. Und der kurzfristige Preisanstieg ist auch ein Zeichen der Erholung, solange er im Rahmen bleibt.

Der österreichische Warenkorb, auf dessen Grundlage die durchschnittliche monatliche Teuerung berechnet wird, bildet derzeit 756 Waren und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs ab. Zuletzt wurde dieser Anfang des Jahres angepasst. Wie auch im Vormonat, waren im August vor allem die Energie- und Treibstoffpreise, aber auch Mieten Treiber der Inflation. Heizöl wurde um 30 Prozent teurer, Diesel und Benzin um 20 und 25 Prozent. Für gut ein Fünftel der Inflation sind die Wohnkosten verantwortlich. Lebensmittelpreise sind kaum oder gar nicht gestiegen.


Ihr Browser kann derzeit leider keine SVG-Grafiken darstellen!

"Eine Hyperinflation sehen wir derzeit eindeutig nicht", schrieben die Analysten der Raiffeisen Bank International vor Kurzem in einer Studie. Die derzeitigen Preisteigerungen beruhen unter anderem auf Nachholeffekten und dem wirtschaftlichen Aufschwung nach den Corona-Lockdowns. Kurzfristig gehen die Ökonomen hier noch davon aus, dass die Inflation im Euroraum und in den USA - zuletzt lag sie dort bei fünf Prozent - wieder sinken wird. "Aber lang- und mittelfristig gibt es noch sehr viele Unabwägbarkeiten und Meinungen der Ökonomen", so die Analysten von Raiffeisen Research.

Inflation "auch politisch"

"Die Inflation war jahrelang unter ihrem Zielwert (zwei Prozent, Anm.). Der jetzige Wirtschaftsaufschwung und die etwas höhre Inflation sind also auch grundsätzlich etwas Positives", sagt Lea Steininger, Ökonomin und Lektorin an der Wirtschaftsuniversität Wien, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) reagiert auf die Preissteigerungen im gesamten Euroraum (siehe Grafik). Am 8. Juli hat sie für die kommenden Jahre ein flexibleres Inflationsziel vorgestellt. Künftig strebt die Notenbank ein Inflationsziel von zwei Prozent für die 19 Euroländer an. Früher waren es "unter, aber nahe zwei Prozent". Dieser feine sprachliche Unterschied macht auf den Finanzmärkten einen großen Unterschied und erlaubt kurzzeitig eine höhere Teuerung, ohne die Zinspolitik gleich anzupassen.

Für Aufsehen sorgte aber am Freitag ein Bericht der "Financial Times". EZB-Chefvolkswirt Philip Lane soll vor deutschen Volkswirten interne Überlegungen offengelegt haben, wonach die Notenbank ihr Inflationsziel von zwei Prozent bis 2025 erreichen dürfte. Damit stünde auch im Raum, dass die EZB schon ein Jahr früher, Ende 2023, die Zinsen leicht anheben könnte, so der Bericht. Die EZB sprach von einem "Missverständnis".

Ökonomin Steininger warnt vor voreiligen Anhebungen angesichts der steigenden Inflation. Vor allem, wenn diese im Rahmen bleibe. 2011 habe die EZB, anders als die US-Notenbank Federal Reserve (Fed), die Zinsen nach der Finanzkrise zu schnell wieder angehoben und hätte damit in einigen Euroländern wie Griechenland und Italien die Staatsschuldenkrise verschärft.

"Die EZB-Zinspolitik ist ein sehr grobes geldpolitisches Instrument", sagt Steiniger. Der Warenkorb setze sich aus ganz unterschiedlichen Gütern zusammen, deren Preise sich auch konträr und unabhängig voneinander entwickeln. Man könne auch fiskalpolitische Maßnahmen in problematischen Bereichen setzen, etwa beim Wohnen. "Außerdem haben die niedrigen Zinsen der letzten Jahre nicht zu einer höheren Inflation geführt."

Eine voreilige Zinsanhebung könnte auch Investitionen hemmen. Und diese werden derzeit beim Umbau des Energiesektors in Richtung CO2-neutraler Energiequellen dringend benötigt. "Die Inflation ist auch ein politisches Instrument." In den letzten Jahren ist die sogenannte Asset Inflation, zum Beispiel Immobilienpreise, sehr stark gestiegen. Im monatlichen Warenkorb gewichtet die EZB Mieten aber mit nur 6,2 Prozent, Immobilienpreise werden nicht berücksichtigt, weil sie keine Konsumgüter sind. "Hier muss man sehr genau hinschauen", sagt Steininger.