Gas ist derzeit so teuer wie schon sehr, sehr lange nicht mehr. Seit Jahresbeginn ist der Gas-Großhandelspreis auf über 167 Euro pro Kubikmeter gestiegen. Im vergangenen Jahr lag er zeitweise bei 28 Euro. Strom hat sich im Großhandel mit 100 Euro pro Megawattstunde seit Jahresbeginn verdoppelt. Gleichzeitig sind die heimischen Gasspeicher wegen des langen Winters nur zu 50 Prozent gefüllt. Panik ist trotzdem nicht angebracht, sagen Experten.

Die Gaspreise steigen, die Nachfrage nach Gas wächst. Gleichzeitig sind die heimischen Gasspeicher leerer als sonst. Grund zur Sorge gibt es aber noch nicht. 
- © OMV Aktiengesellschaft

Die Gaspreise steigen, die Nachfrage nach Gas wächst. Gleichzeitig sind die heimischen Gasspeicher leerer als sonst. Grund zur Sorge gibt es aber noch nicht.

- © OMV Aktiengesellschaft

Global starke Nachfrage

Warum die Gaspreise so stark gestiegen sind, hat unterschiedliche Gründe. Und dabei spielen China, Russland und die Energiewende eine gewichtige Rolle. Fangen wir mit China und dem asiatischen Raum an. "Verantwortlich für die höheren Gaspreise ist vor allem der Anstieg der globalen Nachfrage, insbesondere aufgrund der raschen Erholung der asiatischen Märkte", sagt ein OMV-Sprecher. China, Indien, Vietnam haben derzeit einen hohen Energiebedarf und "entziehen" dem Weltmarkt eben sehr viel Gas, das global gehandelt wird und eben dort verkauft wird, wo der beste Preis dafür geboten wird. Der Gas- und Energiebedarf ist aber im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs überall stark gestiegen.

Was zumindest in der EU ein Stück zum erhöhten Gasverbrauch beiträgt, ist, dass auch immer öfter Kohlekraftwerke vom Netz genommen werden. Das können erneuerbare Energieträger nicht zur Gänze kompensieren, weil auch der Ausbau in Ländern wie Deutschland nur schleppend vorangeht (die "Wiener Zeitung" berichtete).


Und dann ist da noch Russland. Im Deutschen Bundestag geben die Grünen der staatlichen Gazprom die Schuld für die Gasknappheit. Und auch in zahlreichen Medien wird darüber spekuliert, ob Russland bewusst Gaslieferungen zurückhält, um die Genehmigung der erst kürzlich fertiggestellten Gaspipeline Nord Stream 2 zu erzwingen.

"Alle zugesagten Liefermengen werden derzeit seitens Russland eingehalten", sagt ein Brancheninsider. Allerdings: Russland könnte derzeit wegen der gesteigerten Nachfrage auch mehr Gas exportieren, als es derzeit tut. Ob das wegen der noch ausständigen Genehmigung für Nord Stream 2 nicht passiert, sei möglich, aber reine Spekulation. Europa importiert jährlich ungefähr 400 Milliarden Kubikmeter Gas. Die Hälfte davon kommt aus Russland.

"Situation in Österreich gut"

Österreich muss sich dennoch nicht vor einem kalten oder sehr teuren Winter fürchten, meint Michael Mock, Geschäftsführer des Fachverbands der Gas- und Wärmeversorgungsunternehmungen (FGW). "Man muss bedenken, dass die Gaspreise von einem sehr niedrigen Niveau starten", sagt er. Im Vorjahr gab es starke Preiseinbrüche wegen Corona.

Außerdem betrifft der aktuelle Preisanstieg den Gas-Großhandel, also die Versorger und die energieintensive Industrie. Bis sich der Preisanstieg bei den Haushalten bemerkbar macht, wird es etwas dauern. Der aktuelle Preisauftrieb betrifft nur ein Drittel der Haushaltsenergiekosten, zwei Drittel machen Steuern, Abgaben und Netzgebühren aus, die derzeit unverändert bleiben. Preisschwankungen werden in Österreich meistens zeitverzögert an die Kunden weitergegeben.

Das ist in Ländern wie Spanien, Schweden oder Großbritannien anders. Dort bekommen Haushalte höhere Energie- und Strompreise sofort zu spüren. In Spanien rüstet man sich zum Beispiel auch schon budgetär für den Winter mit Heizzuschüssen für Haushalte. Und in Großbritannien werden die explodierenden Gaspreise zunehmend zum Politikum.

Auch, dass die Speicher nur zu 50 Prozent gefüllt sind, stimme so nicht, erklärt Carola Milgramm von der Regulierungsbehörde E-Control. "Die Versorgungssituation ist derzeit gar nicht besorgniserregend", sagt sie. Von vier großen Gasspeichern in Österreich ist einer für den deutschen Markt, und dieser ist fast leer. Die übrigen drei, die heimische Haushalte versorgen, sind zu 60 bis 80 Prozent befüllt. "Außerdem kommt das Gas ja nicht nur aus dem Gasspeicher", sagt Milgramm. Und: Der letzte Winter war besonders kalt und lang, weshalb mit dem Befüllen später begonnen wurde.

Österreich verbraucht jährlich laut E-Control 8 Millionen Kubikmeter Gas, rund zwei Drittel davon kommen aus Russland. Angesichts der Engpässe und starken Abhängigkeit von Importen sprach sich Umweltministerin Leonore Gewessler am Mittwoch abermals für einen stärkeren Ausbau von erneuerbaren Energien aus.

Und dann ist da noch Russland. Im Deutschen Bundestag geben die Grünen der staatlichen Gazprom die Schuld für die Gasknappheit. Und auch in zahlreichen Medien wird darüber spekuliert, ob Russland bewusst Gaslieferungen zurückhält, um die Genehmigung der erst kürzlich fertiggestellten Gaspipeline Nord Stream 2 zu erzwingen.

"Alle zugesagten Liefermengen werden derzeit seitens Russland eingehalten", sagt ein Brancheninsider. Allerdings: Russland könnte derzeit wegen der gesteigerten Nachfrage auch mehr Gas exportieren, als es derzeit tut. Ob das wegen der noch ausständigen Genehmigung für Nord Stream 2 nicht passiert, sei möglich, aber reine Spekulation. Europa importiert jährlich ungefähr 400 Milliarden Kubikmeter Gas. Die Hälfte davon kommt aus Russland.

"Situation in Österreich gut"

Österreich muss sich dennoch nicht vor einem kalten oder sehr teuren Winter fürchten, meint Michael Mock, Geschäftsführer des Fachverbands der Gas- und Wärmeversorgungsunternehmungen (FGW). "Man muss bedenken, dass die Gaspreise von einem sehr niedrigen Niveau starten", sagt er. Im Vorjahr gab es starke Preiseinbrüche wegen Corona.

Außerdem betrifft der aktuelle Preisanstieg den Gas-Großhandel, also die Versorger und die energieintensive Industrie. Bis sich der Preisanstieg bei den Haushalten bemerkbar macht, wird es etwas dauern. Der aktuelle Preisauftrieb betrifft nur ein Drittel der Haushaltsenergiekosten, zwei Drittel machen Steuern, Abgaben und Netzgebühren aus, die derzeit unverändert bleiben. Preisschwankungen werden in Österreich meistens zeitverzögert an die Kunden weitergegeben.

Das ist in Ländern wie Spanien, Schweden oder Großbritannien anders. Dort bekommen Haushalte höhere Energie- und Strompreise sofort zu spüren. In Spanien rüstet man sich zum Beispiel auch schon budgetär für den Winter mit Heizzuschüssen für Haushalte. Und in Großbritannien werden die explodierenden Gaspreise zunehmend zum Politikum.

Auch, dass die Speicher nur zu 50 Prozent gefüllt sind, stimme so nicht, erklärt Carola Milgramm von der Regulierungsbehörde E-Control. "Die Versorgungssituation ist derzeit gar nicht besorgniserregend", sagt sie. Von vier großen Gasspeichern in Österreich ist einer für den deutschen Markt, und dieser ist fast leer. Die übrigen drei, die heimische Haushalte versorgen, sind zu 60 bis 80 Prozent befüllt. "Außerdem kommt das Gas ja nicht nur aus dem Gasspeicher", sagt Milgramm. Und: Der letzte Winter war besonders kalt und lang, weshalb mit dem Befüllen später begonnen wurde.

Österreich verbraucht jährlich laut E-Control 8 Millionen Kubikmeter Gas, rund zwei Drittel davon kommen aus Russland. Angesichts der Engpässe und starken Abhängigkeit von Importen sprach sich Umweltministerin Leonore Gewessler am Mittwoch abermals für einen stärkeren Ausbau von erneuerbaren Energien aus.