Die Erholung der deutschen Konjunktur von der Coronakrise ist im August ins Stocken geraten. Der Umsatz der gewerblichen Wirtschaft sank um 0,3 Prozent zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte.

Zuvor hatte es drei Monate in Folge ein Wachstum gegeben, zuletzt im Juli von 1,3 Prozent. Trotz des Rückschlags liegt der Umsatz inzwischen um 12,9 Prozent über dem Niveau vom Februar 2020 - dem Monat vor Beginn der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie. Berechnet wird dieser Indikator auf Basis der Umsatzsteuer-Voranmeldungen aus den Bereichen Industrie, Bau, Handel, Dienstleister, Energie- und Wasserversorgung.

Corona-Aufholprozess abgeschlossen

Damit verdichten sich die Hinweise darauf, dass Europas größte Volkswirtschaft an Schwung verliert. Im zu Ende gehenden dritten Quartal dürfte das Bruttoinlandsprodukt dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zufolge zwar noch einmal um kräftige 1,3 Prozent zulegen, nachdem es bereits im Frühjahr um 1,6 Prozent gewachsen war. Im anstehenden vierten Quartal soll das Plus dann aber mit nur noch 0,3 Prozent deutlich niedriger ausfallen, da dann der Aufholprozess der "Corona-Sektoren" weitgehend abgeschlossen sein dürfte. Die anhaltenden Materialengpässe in der Industrie, der beispielsweise Halbleiter fehlen, dämpfen den Aufschwung ebenfalls.

Arbeitsmarkt-Aufschwung eingebremst

Das Arbeitsmarktbarometer des IAB-Instituts hat sich im September leicht eingetrübt. "Die Aussichten auf die Entwicklung der Arbeitslosigkeit und der Beschäftigung zeigen insgesamt trotz des Rückgangs positive Signale", erklärten die deutschen Forscher am Dienstag allerdings. Die Beschäftigungskomponente erreicht mit 107,0 Punkten das höchste Niveau seit Anfang 2018.

Die Komponente Arbeitslosigkeit des IAB-Arbeitsmarktbarometers sinkt im September zwar deutlich vom Höchststand um 2,6 Punkte auf 105,5 Zähler, liegt aber insgesamt immer noch auf einem sehr positiven Wert. "Durch die Lieferengpässe in der Industrie wurde der Aufschwung etwas gebremst", sagte IAB-Experte Enzo Weber. "Die Arbeitsagenturen erwarten, dass die Arbeitslosigkeit weiter zurückgeht, aber nicht mehr so schnell wie in den letzten Monaten."

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) berechnet sein monatliches Barometer zum Jobmarkt auf Basis von Umfragen der deutschen Bundesagentur für Arbeit unter allen lokalen Arbeitsagenturen. "Neben der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung legen jetzt auch die Minijobs wieder zu", erklärte Weber zudem. (apa/Reuters)