Am Donnerstag findet der Welttag für menschenwürdige Arbeit statt. Zu diesem Anlass hat die Clean Clothes Kampagne die Modebranche untersucht. Laut der "Fashion Checker"-Studie gibt es große Transparenzlücken in den Lieferketten. Und nur fünf von 264 Modeunternehmen zahlen menschenwürdige Löhne, kritisierte Clean Clothes die Ausbeutung der Branche in einer Aussendung am Mittwoch.

Sowohl in Bezug auf Entlohnung als auch bei der Transparenz der Lieferketten gebe es ein "verheerendes Ergebnis". 60 Prozent der 264 befragten Modeunternehmen halten sich an keinerlei Transparenzverpflichtungen. Nur 46 befragte Unternehmen legen zusätzliche Informationen über ihre Lieferkette offen, etwa ob es am Arbeitsplatz eine Gewerkschaft gibt oder nicht, hieß es in der Aussendung. Derzeit geben nur fünf Modeunternehmen an, dass sie zumindest einem Teil ihrer Arbeitnehmerinnen und Arbeitern in ihren Lieferketten existenzsichernde Löhne zahlen.

"Viele Marken behaupten zwar inzwischen, Arbeitsrechte zu respektieren. Gleichzeitig weigern sie sich, ihre Lieferketten offenzulegen. Ohne Transparenz kann es keine Überprüfung, keine Haftung und auch keinen bewussten, fairen Konsum geben", sagte Gertrude Klaffenböck, Koordinatorin der Clean Clothes Kampagne bei Südwind. "Kundinnen und Kunden haben das Recht zu erfahren, woher ihre Kleidung stammt und unter welchen Bedingungen sie produziert wurde. Nur wenn Unternehmen für Vergehen entlang ihrer Lieferkette haften müssen, können Lohnraub und Ausbeutung effektiv bekämpft werden", betonte sie.

Existenzsichernde Löhne gefordert

Zusätzlich zu einem umfangreichen Lieferkettengesetz fordern Südwind und Clean Clothes von Modekonzernen die sofortige Rückerstattung von ausständigen Zahlungen sowie die verbindliche Verpflichtung zu existenzsichernden Löhnen und grundlegenden Arbeitsrechten gemäß der ILO-Richtlinien. "Ein existenzsichernder Lohn ist ein essenzielles Menschenrecht", sagte Klaffenböck.

Systematische Unterbezahlung und einbehaltene Abfertigungen führen dazu, dass sich Arbeiterinnen und Arbeiter in der Bekleidungsindustrie nichts ansparen können. "In Zeiten von landesweiten Lockdowns bedeutete das für viele Familien in Ländern des Globalen Südens Hunger und lebensbedrohliche Not", so Clean Clothes-Expertin Klaffenböck. Die Clean Clothes Kampagne schätzt, dass weltweit mehr als zehn Milliarden Euro an Lohnschulden vonseiten der Modeunternehmen nicht bezahlt wurden. (apa)