Großbritannien hat sich nach 16-monatigen Verhandlungen mit Neuseeland im Grundsatz auf ein umfassendes Freihandelsabkommen geeinigt. Damit sollen Zölle abgebaut und gegenseitige Dienstleistungen gefördert werden. Mit dem Deal, den beide Länder am Mittwoch in einem Zoom-Call besiegelten, will die britische Regierung ihren Einfluss in der Pazifik-Region ausbauen. Nach dem Brexit richtet das Land seine Handelspolitik neu aus - mit dem Fokus auf wachstumsstärkere Regionen als die Europäische Union.

"Dies ist ein großartiges Handelsabkommen für das Vereinigte Königreich, das unsere langjährige Freundschaft mit Neuseeland festigt und unsere Beziehungen zum indo-pazifischen Raum stärkt", sagte Premierminister Boris Johnson. Großbritannien hat dieses Jahr bereits einen ähnlichen Deal mit Australien vereinbart.

Zölle fallen großteils weg

Sobald das Abkommen in Kraft trete, würden bei 97 Prozent aller gehandelten Produkte die Zölle wegfallen, sagte Neuseelands Ministerpräsidentin Jacinda Ardern in Wellington. Das Abkommen schiebe damit die Wirtschaft und vor allem die Exporteure an und sorge nach der Corona-Pandemie für Erholung. Für Neuseeland sei es der beste Handelsdeal aller Zeiten. Das Land hatte zuletzt seine Vereinbarung mit dem wichtigsten Handelspartner China ausgeweitet. Das Abkommen mit Großbritannien soll die Wirtschaftsleistung Neuseelands um umgerechnet mehr als 600 Millionen Euro vergrößern. Der Handel zwischen Neuseeland und Großbritannien hatte vergangenes Jahr ein Volumen von knapp drei Milliarden Euro.

Die Einigung sollte eigentlich schon vor zwei Monaten stehen. Die britische Oppositionspartei Labour kritisierte, heimische Landwirte in Großbritannien hätten das Nachsehen. So sollen Zölle auf Milchwaren nach fünf Jahren schrittweise wegfallen. Außerdem werden Zölle auf Weine - dem größten Exportschlager Neuseelands Richtung Großbritannien - abgeschafft. Auch Rind- und Schaffleisch dürfte künftig leichter nach Großbritannien zu exportieren sein. (reuters)