Heuer dürften weltweit so viele neue Anlagen für erneuerbaren Strom gebaut werden wie noch nie. Der rasante Ausbau geht auch weiter, von 2020 bis 2026 dürfte die Kapazität für erneuerbaren Strom um 60 Prozent auf 4.800 Gigawatt steigen. Aber trotzdem reicht es bei weitem nicht, um bis 2050 die Treibhausgas-Emissionen auf Null zu senken, heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten Bericht der Internationalen Energie Agentur (IEA).

Alleine heuer kommen voraussichtlich weltweit Anlagen für 290 Gigawatt an erneuerbarem Strom dazu, schreibt die IEA. Solarstrom als wichtigste Energieform legt dabei um 160 GW zu. Weitere 110 GW kommen von Windkraftanlagen an Land. China ist die treibende Kraft hinter dem weltweiten Ausbau der alternativen Energiequellen, 43 Prozent der neuen Anlagen werden in den kommenden Jahren in diesem Land liegen. Europa folgt als Region vor den USA und Indien.

In fünf Jahren werden laut Prognose weltweit fast 37 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energiequellen stammen, davon zwei Fünftel aus Wasserkraft. Wind- und Solarstrom zusammen werden aber 2026 erstmals die Bedeutung von Wasserstrom übertreffen.

Nicht genug für CO2-Ziele

Um das Ziel von Null-Emissionen für Treibhausgase zu erreichen, müsste sich allerdings der Neubau von Wind- und Solarkraftwerken im Vergleich zur Prognose der IEA noch einmal verdoppeln. Sowohl Solar-als auch Windstrom seien zwar inzwischen wirtschaftlich konkurrenzfähig, es gebe aber andere Hindernisse, insbesondere bei der Erteilung von Genehmigungen und bei der Akzeptanz in der Bevölkerung, die einen schnelleren Ausbau behindern. Außerdem entstehen durch den Ausbau der "variablen" Energieträger Wind und Sonne neue Herausforderungen für die Leitungen, Speicherung und Versorgungssicherheit. Dazu kommt, dass die Preissteigerungen bei Rohstoffen und Vorprodukten auch zu einer Verteuerung von Windrädern und Solaranlagen um 10 bis 25 Prozent geführt haben.

Die IEA erwartet, dass auch die Kapazitäten für die Speicherung von Strom in den kommenden fünf Jahren um mehr als die Hälfte zunehmen werden. Das stärkste Wachstum wird es zwar bei Batterien im industriellen Maßstab geben, aber vorerst bleiben Pumpspeicherkraftwerke mit großem Abstand die wichtigste Möglichkeit, Strom zu speichern. Sie werden 2026 laut Prognose auf eine Kapazität von 200 GW kommen, andere Speicherungen, im Wesentlichen Batterien, nur auf etwa 70 GW. (apa)