Nach Großfirmen wie General Electric, Conti und Siemens hat sich vor kurzem auch Daimler aufgespaltet. Seit 1. Dezember fährt das deutsche Traditionsunternehmen zweigleisig - als Produzent der prestigeträchtigen Mercedes-Benz-Autos und als Hersteller von Lkw und Bussen. Von der börsennotierten Dachgesellschaft Daimler AG ist die Nutzfahrzeugsparte nun losgelöst, sie agiert jetzt eigenständig und firmiert unter dem Namen Daimler Truck. Am Freitag notieren ihre Aktien erstmals an der Frankfurter Börse - für einen Tag sogar im Leitindex DAX.

Mit der Aufspaltung haben alle Daimler-Aktionäre für jeweils zwei Aktien der Daimler AG eine Aktie von Daimler Truck ins Depot gebucht bekommen. Damit sind sie zu 65 Prozent an der abgetrennten Firma beteiligt, die restlichen 35 Prozent bleiben im Eigentum der Daimler AG.

Als Markenzeichen beider Unternehmen fungiert wie bisher der Mercedes-Stern. Geplant ist indes, die Pkw-Sparte voraussichtlich im Februar 2022 von Daimler AG auf Mercedes-Benz Group AG umzubenennen. Daimler-Chef Ola Källenius will Mercedes-Benz als Luxusmarke profilieren. Die US-Beratungsfirma Interbrand schätzt den Wert auf knapp 51 Milliarden Dollar, umgerechnet mehr als 45 Milliarden Euro.

Höherer Börsenwert im Visier

"Luxusauto-Unternehmen streben an der Börse eine Bewertung an, die ihrem Standing als Luxusmarke eher entspricht", sagt Monika Rosen-Philipp, Chefanalystin der Unicredit Bank Austria. Bei Daimler ist die nicht gerade als renditestark geltende Nutzfahrzeugsparte diesem Streben wohl im Weg gestanden - deshalb die seit Langem geplante Abspaltung. Hauptziel der Transaktion ist denn auch ein höherer Börsenwert, den sich die künftige Mercedes-Benz Group nun erhofft.

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An den Märkten ist die Aufspaltung in zwei auf ihr jeweiliges Geschäft konzentrierte Firmen jedenfalls auf Beifall gestoßen. Mit Blick auf die jetzige Unabhängigkeit heißt es bei Analysten, dass die Nutzfahrzeugsparte unter dem Rampenlicht der gesonderten Börsennotierung wohl mehr Kostendisziplin üben und ihre Kennzahlen verbessern werde.

Demnach ist mit der Spaltung die Hoffnung verbunden, dass jede Firma für sich allein an der Börse besser abschneidet als beide zusammen. Wobei diese Hoffnung auf Studien beruht, die zeigen, dass sich Mutter- und Tochtergesellschaft nach einer Trennung meist besser entwickeln als der Gesamtmarkt. Einzelne Studien beziffern die Outperformance auf bis zu 20 Prozent.

Aus Sicht der US-Investmentbank Jefferies hat Daimler Truck in seinem Geschäft derzeit eher das Potenzial, positiv zu überraschen, als "Mercedes", das bereits in der Nähe zyklischer Margen-Hochs arbeite. Erklärtes Ziel von Daimler-Truck-Chef Martin Daum ist eine zweistellige Gewinnrendite bis 2025 (zuletzt lag die Rendite bei rund sechs Prozent, während etwa der schwedische Rivale Scania auf gut zehn Prozent kam).

"Ambitionierte Umweltziele"

"Daneben hat Daimler Truck auch ambitionierte Umweltziele", sagt Rosen-Philipp. "Bis 2040 will das Unternehmen nur noch emissionsfreie Fahrzeuge herstellen." In den nächsten Jahren sollen die Investitionen von Verbrennungsmotoren in emissionsfreie Antriebe umgelenkt werden. Geplant sind dabei auch neue Partnerschaften.

Daimler Truck hat gut 103.000 Beschäftigte. Bei Nutzfahrzeugen sieht sich der Konzern als Weltmarktführer. Bei Lkw setzt er auf Elektroantriebe und die Brennstoffzelle. Unabhängig davon arbeitet die Autosparte Mercedes-Benz Cars & Vans (169.000 Beschäftigte) mehr und mehr an der Elektrifizierung ihrer Fahrzeuge.