Zwei Forschungsstudien haben gezeigt, dass Omikron, die neue Coronavirus-Variante, weniger schwerwiegend ist als befürchtet. Dies hat die Stimmung der Anleger am Donnerstag rund um den Globus gehoben. Weltweit lagen die Aktienmärkte im Plus - nach dem Kursdämpfer zu Beginn dieser Woche bereits den dritten Tag in Folge. Für das positive Sentiment sorgten auch robuste US-Wirtschaftsdaten.

Nachdem die Börsen in China und Japan zunächst um bis zu 0,8 Prozent zugelegt hatten, ging es auch in Europa und den USA nach obens - in einer Bandbreite von 0,2 Prozent (ATX) bis 1,1 Prozent (Eurostoxx-50). Der Dow-Jones-Index, das meistbeachtete Aktienbarometer der Welt, notierte im Frühhandel um 0,7 Prozent fester. Der DAX, der Leitindex der Frankfurter Börse, lag gegen Handelsschluss knapp ein Prozent im Plus.

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"Die jüngsten Gesundheitsdaten aus Großbritannien und anderen Orten auf der ganzen Welt zeigen, dass der schlimmste Fall unwahrscheinlich ist", sagt David Chao, Global-Market-Stratege beim Vermögensverwalter Invesco. "Obwohl die Übertragungsraten von Omikron angeblich höher sind, scheint diese Variante weniger virulent und weniger anfällig für schwere Krankheiten oder Todesfälle."

Jedenfalls soll das Risiko eines Krankenhausaufenthalts bei Corona-Patienten mit der Omicron-Variante laut einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Londoner Imperial College um 40 bis 45 Prozent niedriger sein als bei Patienten mit der Delta-Variante.

Analyst: "Seien Sie vorsichtig da draußen"

Trotzdem sind Experten von den jüngsten Nachrichten zu Omikron nicht unbedingt überzeugt. Nach ihrer Einschätzung sollten Anleger die Hoffnungen auf einen besinnlichen Jahreswechsel oder eine baldige Kursrally begraben. Jede Schlagzeile zur Omikron-Variante lasse derzeit die Stimmung in die eine oder andere Richtung umschlagen, sagt Analyst Jeffrey Halley vom Brokerhaus Oanda.

Gleichzeitig würden die wegen der Feiertage nur dünnen Umsätze die Kursausschläge verschärfen. Aktienhandel sei derzeit nur etwas für kurzfristig orientierte Anleger mit starken Nerven und tiefen Taschen. "Seien Sie vorsichtig da draußen", warnt Halley.

Zurückhaltend über die kurzfristigen Aussichten äußert sich auch Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst beim Brokerhaus AvaTrade. Zwar seien Kursrücksetzer in den vergangenen Monaten stets zum Wiedereinstieg in den Aktienmarkt genutzt worden. "Diese Strategie wurde aber getragen von den zusätzlichen Liquiditätsspritzen der Notenbanken, die 2022 rasch verringert werden."

Nach wie vor keine Alternative zu Aktien

"Dennoch sind Aktien weiterhin weitgehend alternativlos", gibt Bernd Meyer, Chef-Anlagestratege der Vermögensverwaltung bei der Berenberg Bank, zu bedenken. Anleger müssten sich nun jedoch wegen der gedrosselten Konjunkturhilfen und eines nachlassenden Gewinnwachstums der Unternehmen mit geringeren Kursgewinnen begnügen. (kle/ag.)