Viele Unternehmen unterschätzen die Geschwindigkeit des Wandels hin zu einer emissionsfreien Wirtschaft und sind entsprechend schlecht vorbereitet. Zu dieser Einschätzung kommt ein gemeinsamer Report der Boston Consulting Group (BCG) und des Weltwirtschaftsforums (WEF). Dabei könnten Firmen auch wirtschaftlich von einer Dekarbonisierung profitieren, besonders wenn sie zu den ersten in ihrer Branche gehören.

Noch tue die Weltwirtschaft nicht genug, um die globale Erderwärmung unter 2,0 beziehungsweise 1,5 Grad Celsius zu halten. Trotzdem sei ein Wandel im Gange, so die Autoren. Immer mehr Länder fassen das Ziel, ihre Emissionen bis 2050 auf Netto-Null zu senken. Eine ähnliche Entwicklung zeichne sich auch in der Unternehmenswelt ab. Viele Konzerne seien aber nicht für die kommenden Umwälzungen gewappnet und würden unterschätzen, wie früh diese sie treffen werden.

Mit ein Grund seien Fehleinschätzungen im Bezug auf die technologische und politische Entwicklung. Die Unternehmen würden dadurch auf Basis falscher Prognosen planen. Als Beispiel wird im Report die geschätzten Photovoltaik-Kapazität für 2030 genannt. Diesbezügliche Prognosen hätten sich zwischen 2002 und 2020 um das 36-Fache erhöht.

Auch politische Veränderungen würden oft zu sehr außer Acht gelassen. Dies könne zu Fehlinvestitionen führen, wie die Autoren an Hand des deutschen Energieversorgers Uniper darstellen. Das letzte Kohlekraftwerk des Unternehmens sei 2020 ans Netz gegangen, als Deutschland noch den Kohleausstieg für 2038 plante. Angesichts neuer Ziele, inklusive eines möglichen Kohleausstiegs 2030, könnte das Kraftwerk somit nach nur zehn Jahr wieder vom Netz genommen werden - bei einer eigentlichen Lebensspanne von 45 Jahren.

Neben Risiken auch große Chancen

Neben den Risiken, den durch die Dekarbonisierung hervorgebrachten Wandel zu verschlafen, bestünden aber auch große Chancen für jene Firmen, die sich früh auf den Weg zur Emissionsreduktion machen. Grüne Alternativen zu traditionellen Produkten würden zu den wichtigsten Wachstumsmärkten unserer Zeit gehören. Die Umsätze der traditionellen Produkte dürften hingegen stagnieren, so der Report.

Weitere Vorteile für sogenannte "Early Movers" seien sinkende Energiekosten, ein besserer Zugang zu Finanzkapital und weniger Risiko durch politische Veränderungen. Zudem werde Nachhaltigkeit für junge Talente immer mehr zu einem Kriterium bei der Auswahl ihres Arbeitgebers. (apa)