Die boomende Nachfrage nach dem Exportschlager Mikrochips hat der südkoreanischen Wirtschaft 2021 zum stärksten Wachstum seit elf Jahren verholfen. Das Bruttoinlandsprodukt legte um 4,0 Prozent zu, wie die Notenbank am Dienstag in Seoul mitteilte. 2020 war die nach China, Japan und Indien viertgrößte Volkswirtschaft Asiens infolge der Corona-Krise noch um 0,9 Prozent geschrumpft. Für dieses Jahr geht die Zentralbank von einem Plus von 3,0 Prozent aus.

"Die weltweite Nachfrage nach unseren Chips ist sehr robust", sagte Notenbanker Hwang Sang Pil bei der Vorstellung der Daten. "Die starken Exporte werden die Wachstumsdynamik Südkoreas aufrechterhalten." Die Ausfuhren legten im vergangenen Jahr so kräftig zu wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr. Ein Grund dafür ist, dass Halbleiter von südkoreanischen Herstellern wie Samsung weltweit gefragt sind. So leidet etwa die deutsche Industrie unter einem Mangel an den Chips, ohne die kein Auto und keine moderne Maschine mehr auskommt.

Auch privater Konsum legt zu

Die Notenbank geht davon aus, dass der private Konsum ungeachtet der Corona-Krise auch in diesem Jahr zulegen wird. "Die Menschen gewöhnen sich an die Einschränkungen durch die Hygieneregeln", sagte Hwang. Südkorea meldete gerade erstmals mehr als 8000 Neuinfektionen an einem Tag. Dabei breitet sich die hochansteckende Omikron-Variante sehr schnell aus und ist seit der vergangenen Woche die vorherrschende Virus-Variante im Land.

Die Maßnahmen der Regierung stoßen in der Wirtschaft auch auf Kritik. Hunderte von Kleinunternehmern wollten sich in der Nähe der Nationalversammlung in Seoul versammeln und ihre Köpfe rasieren, um gegen die Corona-Regeln zu demonstrieren. Unter denen leiden etwa die Umsätze im Einzelhandel und bei Dienstleistern. Die Stimmung wird durch die nahende heiße Phase des Wahlkampfes angeheizt: Die Südkoreaner sind für den 9. März zur Präsidentenwahl aufgerufen. (reuters)