Der Konjunkturmotor brummt, aber die Inflation ist mit zuletzt sieben Prozent entschieden zu hoch. In den USA ist es deshalb mittlerweile in Stein gemeißelt, dass die Zinsen, die wegen der Pandemie schon seit fast zwei Jahren auf tiefem Niveau eingefroren sind, nun wieder rauf müssen. Am 16. März - bei der nächsten Sitzung der US-Notenbank Fed - wird es wohl so weit sein. Da werden die Währungshüter einen ersten Schritt setzen und den Leitzins, der aktuell in der Spanne von null bis 0,25 Prozent liegt, anheben - nach Einschätzung von Analysten um 0,25 Prozentpunkte. Mit Blick auf das Gesamtjahr 2022 rechnen die Märkte alles in allem mit vier Zinserhöhungen um insgesamt einen Prozentpunkt. Für Wirtschaft und Privathaushalte werden Kredite und Finanzierungen damit teurer.

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Fed-Chef Jerome Powell bestätigte nach dem Meeting am Mittwoch, dass die Notenbank erwäge, den Leitzins bereits bei ihrer Sitzung im März zu erhöhen - vorausgesetzt, die ökonomischen Bedingungen sprächen weiterhin dafür. Die Lage am Arbeitsmarkt habe sich jedenfalls bedeutend verbessert und das Wachstum sei robust. Die US-Wirtschaft brauche daher "keine anhaltend hohe Unterstützung durch die Geldpolitik" mehr, erklärte Powell.

Zwar sorge die Omikron-Welle für große Unsicherheit, sie scheine aber schnell wieder nachzulassen. Aus Powells Sicht dürften deshalb auch die wirtschaftlichen Folgen begrenzt sein. Dennoch wären die Auswirkungen der neuen Corona-Variante Omikron der wohl einzige Grund, der einen Zinsschritt im März noch verhindern könnte, wie der Fed-Vorsitzende vor Journalisten sagte.

Zur erhöhten Inflation hielt Powell fest, dass sich die Lage zuletzt "ein wenig" verschlechtert habe. Die Fed gehe jedoch weiter davon aus, dass die Teuerungsrate im Lauf des Jahres deutlich fallen werde. Für den rasanten Anstieg der US-Verbraucherpreise machen Fachleute neben der raschen Konjunkturerholung nach dem Corona-Absturz vor allem auch die groß dimensionierten Hilfen der Biden-Administration und die globalen Lieferkettenprobleme verantwortlich. "Unser Ziel ist es, die Inflation wieder auf zwei Prozent herunterzubekommen", betonte Powell. Damit wäre in den USA wieder Preisstabilität gegeben. Die sieben Prozent vom Dezember waren der höchste Inflationswert seit Jahrzehnten.

Vollbeschäftigung erreicht?

Indes wies der Fed-Chef erneut darauf hin, dass die Geldpolitik von Daten abhängig sei und der anstehende Zinserhöhungszyklus daher nicht auf Autopilot laufen werde. Die Notenbank habe "ziemlich viel Spielraum", um die Zinsen zu erhöhen, ohne den Arbeitsmarkt negativ zu beeinflussen (auch dem Ziel der Vollbeschäftigung sind die amerikanischen Währungshüter verpflichtet).

Christian Scherrmann, US-Volkswirt des zur Deutschen Bank gehörenden Vermögensverwalters DWS, meint, aus diesen Aussagen herauszulesen zu können, dass die Fed die Vollbeschäftigung höchstwahrscheinlich bereits als erreicht ansieht. Er sieht die Fed jedenfalls "startklar" für die allseits erwartete Zinswende. "Die US-Notenbank scheint entschlossen den Kampf gegen die Inflation aufzunehmen - oder genauer gesagt gegen die leicht nach oben driftende Inflationserwartung", schreibt Scherrmann in einem Kommentar.

Dass Powell von "genug Platz" für Zinsanhebungen sprach, hat jedoch die am Mittwoch vor der Fed-Sitzung zunächst fester tendierenden US-Börsen verschreckt. "Die bis dahin akkumulierten Kursgewinne konnten nicht über die Ziellinie gerettet werden", sagt Monika Rosen, Kapitalmarktexpertin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft. Eigentlich bereite die Fed die Märkte ja schon länger auf eine restriktivere Geldpolitik vor. "Dennoch ist der Jahresauftakt an den Börsen alles andere als berauschend ausgefallen", so Rosen. "Vor allem für Technologie-Aktien - die Nasdaq steuert auf den schwächsten Jänner seit 2008 zu."

Auch Karl Freidl, Private Banker der Steiermärkischen Sparkasse, sieht den "Börsenbullen (Symbol für steigende Kurse, Anm.) durch die Fed an den Hörnern gepackt". Was das Tempo bei den Zinserhöhungen betrifft, hält er negative Überraschungen für die Märkte für "durchaus möglich". "Die Geschichte zeigt jedoch, dass die Börsen nach anfänglichen Verwerfungen meist über drei Viertel der Zeit des gesamten Zinsanhebungszyklus weiter steigen", betont Freidl.

Fed verkürzt auch Bilanz

Einen ersten Schritt aus dem Krisenmodus hat die US-Notenbank wie berichtet bereits im November gesetzt - mit der Drosselung ihrer milliardenschweren Wertpapierkäufe. Am Mittwoch bekräftigte sie, dass sie dieses Hilfsprogramm Anfang März einstellen werde. Im Lauf des Jahres will die Fed aber auch ihre durch Corona-Hilfen angeschwollene Bilanz rasch wieder abbauen. Dies würde den Märkten weiter Liquidität entziehen. Powell erklärte dazu, die "bedeutende Reduzierung" solle "ordnungsgemäß und vorhersehbar" durchgeführt werden, um Marktteilnehmer nicht zu überraschen. Durch den Kauf von Staatsanleihen und Hypothekenpapieren ist die Bilanz der Fed auf fast neun Billionen Dollar gestiegen. Vor der Finanzkrise 2008 betrug die Bilanzsumme lediglich ein Zehntel dessen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat das nächste Meeting am 3. Februar, trotz hoher Inflation dürfte dabei eine Zinswende vorerst weiter kein Thema sein. Experten erwarten aber, dass die EZB sechs bis neun Monate später als die Fed damit beginnen wird, die Zinsen zu erhöhen.