Beim britisch-australischen Bergbauriesen Rio Tinto herrscht einer Untersuchung zufolge eine Kultur des Mobbings, Rassismus und sexueller Belästigung. Fast die Hälfte aller Mitarbeiter, die auf eine Befragung zu den Arbeitsbedingungen antworteten, gaben an, gemobbt worden zu sein und dass Rassismus in einzelnen Bereichen weit verbreitet sei, teilte Rio Tinto am Dienstag mit.

"Mir war nicht bewusst, wie viel Mobbing im Unternehmen existiert und zweitens, dass die drei Themen Mobbing, sexuelle Belästigung und Rassismus beinahe systemisch sind", sagte Konzernchef Jakob Stausholm. "Das ist extrem beunruhigend."

Rio Tinto werde alle 26 Empfehlungen aus dem Bericht der ehemaligen australischen Beauftragten für Geschlechtsdiskriminierung, Elizabeth Broderick, umsetzen. Stausholm hatte kurz nach Amtsantritt im Frühjahr 2021 bei Broderick die Überprüfung der Unternehmenskultur in Auftrag gegeben.

Mehr als 10.000 Mitarbeiter, fast ein Viertel der 45.000 Beschäftigten, nahmen an der Befragung teil. Dem Bericht zufolge haben fast 30 Prozent der Frauen und etwa sieben Prozent der Männer sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erlebt, wobei 21 Frauen von tatsächlichen oder versuchten Vergewaltigungen oder sexuellen Übergriffen berichteten. Rassismus sei an vielen Standorten eine "erhebliche Herausforderung" für die Mitarbeiter. "Ich habe Rassismus in jeder einzelnen Ecke dieses Unternehmens erlebt", wurde ein namentlich nicht genannter Mitarbeiter zitiert.

Stausholm, der früher Finanzchef des Bergbaukonzerns war, rückte im Jänner 2021 auf den Chefsessel. Sein Vorgänger Jean-Sebastien Jacques musste abtreten, nachdem der australisch-britische Konzern im Frühjahr 46.000 Jahre alte Felshöhlen der Aborigines in der Juukan-Schlucht gesprengt hatte, um an Eisenerz zu gelangen. Auch zwei Stellvertreter mussten gehen. (apa, reuters)