Die Europäische Zentralbank (EZB) will graduell aus ihrer lockeren Geldpolitik aussteigen. "Jede Anpassung unserer Politik wird schrittweise erfolgen", sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde am Montag bei einer Anhörung vor dem Europäischen Parlament. Sie betonte erneut, dass man erst nach dem Auslaufen der Nettoanleihekäufe Zinsen erhöhen wolle.

Im Wesentlichen wiederholte Lagarde Aussagen, die sie bereits nach der EZB-Zinssitzung am vergangenen Donnerstag gemacht hatte. Da hatte sie angesichts der hohen Inflation Leitzinserhöhungen für heuer nicht mehr ausgeschlossen. Sie betonte am Montag erneut, dass die Zentralbank bis zur Sitzung im März mit weiteren Entscheidungen warten wolle. Man werde sich dann die neuesten Projektionen genau ansehen. "Es gibt keinen Grund für voreilige Schlussfolgerungen", sagte Lagarde.

Die Inflationsrate war im Jänner in der Eurozone auf 5,1 Prozent gestiegen. Die EZB strebt auf mittlere Sicht eine Inflationsrate von 2 Prozent an. "Die EZB wird ihre Rolle spielen und die notwendige Entschlossenheit zeigen, um die Preisstabilität zu gewährleisten", sagte Lagarde. "Sie können sicher sein, dass unsere Verpflichtung, dies zu tun, absolut unerschütterlich bleibt."

US-Notenbank stellte Leitzinserhöhung in Aussicht

Kurzfristig dürfte die Inflation hoch bleiben, sagte Lagarde. Sie verwies erneut auf vorübergehende Faktoren, vor allem auf die gestiegenen Energiepreise und Lieferengpässe. Der Verbraucherpreisanstieg sei aber breiter angelegt als bisher. Eine Entkoppelung der Inflationserwartungen sehe sie jedoch nicht. Im weiteren Jahresverlauf erwarte man einen Rückgang der Inflation. Aber auch am Jahresende dürfte die Inflationsrate über dem Zielwert der EZB liegen, sagte Lagarde.

Am Wochenende hatte Klaas Knot, Notenbankchef der Niederlande, die Aussicht auf eine straffere Geldpolitik bestätigt. Im niederländischen Fernsehen sagte er, er könne sich eine erste Zinsanhebung im vierten Quartal 2022 und eine zweite Anhebung im Frühjahr 2023 vorstellen. Knot gilt als Vertreter einer straffen Linie innerhalb der EZB. Andere Zentralbanker, darunter Finnlands Notenbankchef Olli Rehn, äußerten sich zuletzt zurückhaltender.

Die US-Notenbank hat bereits ein Ende ihrer Anleihekäufe beschlossen und eine Leitzinserhöhung in Aussicht gestellt. Laut Lagarde kann man die Lage in der Eurozone nicht mit der in den USA oder anderen Ländern vergleichen. So sei in den USA die Nachfrage stärker und der Arbeitsmarkt in einem besseren Zustand. (apa)