Bisher scheinen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie keine besonderen Auswirkungen auf die Finanzinstitute im Euro-Raum zu haben. Der am Donnerstag veröffentlichte Bankenbericht der Europäischen Zentralbank (EZB) zeigt: Die meisten Großbanken sind mit ausreichend Eigenkapital ausgestattet. Lediglich sechs Geldhäuser erfüllen die Kapitalanforderungen nicht. "Im Großen und Ganzen sind wir mit dem bisherigen Vorgehen der Banken während der Pandemie zufrieden", erklärte EZB-Chef-Bankenaufseher Andrea Enria.

Die EZB führt regelmäßig das sogenannte "Supervisory Review and Evaluation Process" (SREP) durch. Die meisten Institute haben demnach trotz Pandemie solide Kapital- und Liquiditätspositionen. Sehr viele EU-Banken übererfüllen sogar die von der EZB vorgegebenen Mindestkapitalanforderungen. Die Gesamtkapitalanforderung und -empfehlung für das harte Kernkapital (CET 1) habe sich im Schnitt für 2022 nur leicht auf rund 10,6 Prozent von bislang 10,5 Prozent erhöht.

Im Zuge der weltweiten Finanzkrise wurden im Herbst 2014 die großen Banken im Euro-Raum direkt der EZB-Bankenaufsicht unterstellt. Sie überwacht derzeit insgesamt 115 Finanzinstitute, darunter die heimischen Raiffeisen und Erste Group.

Inflation weiter hoch

Die anhaltend hohe Inflation und die hohen Energiekosten bereiten der EZB aber zunehmend Sorgen. Dennoch hält sie vorerst an ihrer ultralockeren Geldpolitik fest. "Wir sind durch unsere Bedingungen in der Forward Guidance geleitet und werden handeln, falls und wann diese erfüllt sind", sagte EZB-Vizechef Luis de Guindos. Der Leitzins werde erst dann angehoben, wenn sich die Inflation auf der EZB-Zielmarke von zwei Prozent eingependelt hat.

Auch wenn andere Notenbaken schon begonnen hätten, Zinserhöhungen zu vollziehen oder sie anzukündigen, sei das für die EZB gerade jetzt noch keine Option. Der Euroraum befinde sich in einem anderen Konjunkturzyklus. Und tatsächlich hätte eine Zinserhöhung jetzt keine Auswirkung auf die sehr hohen Energiepreise, die ja die Haupttreiber der Inflation sind. Vergangene Woche erklärte EZB-Chefin Christine Lagarde eine Zinserhöhung 2022 für "sehr unwahrscheinlich".

Die EU-Kommission erwartet für Österreich heuer eine Inflationsrate von 3,3 Prozent. Im Euro-Raum soll der Schnitt bei 3,5 Prozent liegen. Das ist deutlich mehr als noch im Herbst prognostiziert. Trotz der anhaltenden Inflation soll das Wirtschaftswachstum ab dem Frühjahr laut Kommissionsprognose auf 4 Prozent steigen.

"Der Preisdruck wird wahrscheinlich bis zum Sommer hoch bleiben", warnte EU-Kommissar Paolo Gentiloni. Im Herbst war die EU-Kommission noch von einer Inflationsrate von lediglich 2,2 Prozent für 2022 ausgegangen. Laut dem EU-Kommissar dürfte mit dem Nachlassen von Lieferengpässen und nur noch moderat steigenden Energiepreisen ab dem Herbst jedoch mit einer Entspannung an der Preisfront zu rechnen sein.(reu/red)