Die Wiener Börse hat sich am Montag zu Mittag aufgrund von Ängsten vor einer Eskalation des Ukraine-Konflikts mit klaren Verlusten präsentiert. Insbesondere Finanztitel rutschten klar ins Minus, da bei einer Invasion Russlands dem Finanzsektor des rohstoffreichen Landes schwerwiegende Sanktionen drohen. So würde Russland unter anderem aus dem internationalen Zahlungsverkehrssystem SWIFT ausgeschlossen werden.

Der heimische Leitindex ATX notierte um kurz vor 12.00 Uhr um massive 3,18 Prozent tiefer bei 3.889,27 Einheiten. Der ATX Prime verlor 3,18 Prozent auf 1.949,13 Zähler.

Experten sehen die Lage in der Ukraine weiter stark angespannt. Die USA hatten zuletzt dringliche Warnungen ausgesprochen, die der Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, Jake Sullivan, am Sonntag dem Fernsehsender CNN nochmals erläuterte. In den vergangenen etwa zehn Tagen habe sich der russische Truppenaufbau beschleunigt, und russische Kräfte seien näher an die Grenze zur Ukraine vorgerückt, von wo aus sie sehr schnell eine Militäraktion starten könnten.

"Während der Fokus weiterhin auf diplomatischen Bemühungen liegt, um eine Eskalation zu vermeiden, hat das bisherige Scheitern einer diplomatischen Lösung eine risikoarme Stimmung ausgelöst", schreiben die Analysten der UniCredit. Nachdem eine neue Runde diplomatischer Gespräche auf höchster Ebene zuletzt keinen Durchbruch zur Lösung der Ukraine-Krise gebracht hat, haben die USA ihre Mitarbeiter der OSZE-Mission in der Ostukraine abgezogen.

Massive Zinsängste

Vor dieser militärischen Drohkulisse mit wirtschaftlich schwerwiegenden Folgen dürften Zinsängste ebenfalls eine Rolle gespielt haben. So gingen nach zuletzt rasant ansteigenden Preisen in den USA Börsianer zuletzt von nunmehr sechs Zinsschritten der Federal Reserve aus anstatt von fünf. Diesseits des Atlantiks hat die Europäische Zentralbank (EZB) trotz eines rasanten Preisanstiegs in der Eurozone noch kein Bekenntnis zu einer geldpolitischen Straffung abgegeben. Am Nachmittag wird sich nun EZB-Präsidentin Christine Lagarde zu Wort melden. Überraschungen werden mit Hinblick auf die Geldpolitik nicht erwartet.

Branchenseitig waren aufgrund der drohenden Sanktionen gegen Russlands Finanzsektor bei einem militärischen Einmarsches die Aktien von Banken die weiterhin im Fokus. So blieben die Wertpapiere der in Osteuropa tätigen Raiffeisen Bank International mit minus 7,5 Prozent stark unter Druck. Erste Group und BAWAG verloren zuletzt 4,2 bzw. 3,8 Prozent.

Aber auch Öltitel dürften im Fokus stehen, nicht zuletzt weil ein Einmarsch Russlands Experten zufolge deutliche Auswirkungen auf die Öl- und Gaspreise haben würde - manche Analysten prognostizierten einen Anstieg des Brent-Preises bei einem Kriegsszenario auf 140 US-Dollar. Die Wertpapiere der OMV gaben zunächst dennoch nach und zwar um 2,5 Prozent nach. Schoeller-Bleckmann weiteten ihre Verluste bis zum Mittag auf 2,9 Prozent aus.

Schwach waren zudem Titel aus der Baubranche: Strabag, Porr und Wienerberger verloren jeweils mehr als viereinhalb Prozent.

Unter den weiteren Einzelwerten waren Polytec mit minus 4,6 Prozent schwach. Die Wertpapiere des Autozulieferers könnten unter anderem negative Auto-Absatzdaten aus China im Jänner belastet haben.

Mit vergleichsweise geringen Verlusten von 0,6 Prozent hielten sich die Wertpapiere der Verbund indes in dem negativen Umfeld gut. Immofinanz sanken um 0,2 Prozent. (apa)