Nach der KLM meidet auch die Fluggesellschaft Norwegian aufgrund der zugespitzten Sicherheitslage im Raum um die Ukraine im Konflikt mit Russland bis auf weiteres den ukrainischen Luftraum. Das bestätigte die norwegische Fluglinie am Montag. Nach Angaben einer Sprecherin fliegt Norwegian nicht direkt in die Ukraine, auf Strecken etwa ins türkische Antalya aber gelegentlich durch westliche Teile des ukrainischen Luftraums. Lufthansa und AUA fliegen weiter in die Ukraine.

Norwegian-Kommunikationschef Esben Tuman hatte dem norwegischen Sender TV2 gesagt, man habe nach einer umfassenden Sicherheitsbewertung entschieden, die Ukraine vorerst nicht mehr zu überfliegen. Sicherheit komme immer an erster Stelle. Generell fliege man nicht häufig über die Ukraine und meide östliche Teile des Landes nach dem Abschuss des Malaysia-Airlines-Fluges MH17 im Jahr 2014.

Die niederländische Fluggesellschaft KLM hatte am Wochenende mitgeteilt, ihre Flugverbindungen in die Ukraine einzustellen. Andere Airlines, darunter die deutsche Lufthansa und ihre österreichischen Tochter Austrian Airlines prüfen ähnliche Schritte.

Lage wird genau beobachtet

"Zusammen mit den Behörden beobachten wir die Lage in der Ukraine laufend und nehmen gegebenenfalls weitere Anpassungen in unserem Flugplan vor", erklärte eine Sprecherin von Austrian Airlines auf APA-Anfrage am Sonntag. Die Sicherheit der Crews und Passagiere habe dabei oberste Priorität, betonte sie. Bereits vor einigen Wochen seien Übernachtungen in der Ukraine ausgesetzt worden und man halte die Aufenthaltszeit der Crews so kurz wie möglich.

Ähnliches gilt für den Austrian-Mutterkonzern Lufthansa, der die Lage in der Ukraine sehr genau beobachtet und eine Einstellung des Flugverkehrs prüfe. "Eine Einstellung des Flugverkehrs wird geprüft, zum jetzigen Zeitpunkt gibt es dazu aber keine Entscheidung", teilte die Lufthansa auf Anfrage mit. Am Montag wurde das bekräftigt: Man richte sich nach der Einschätzung nationaler und internationaler Behörden, erklärte die Airline und betonte: "Die Sicherheit unserer Fluggäste und Besatzungsmitglieder hat zu jeder Zeit oberste Priorität."

Bereits am Samstagabend hatte das ukrainische Onlinemedium Strana.news über Versicherungsprobleme der Branche berichtet. Ein führender britischer Versicherungskonzern habe Flugzeuginhaber darüber informiert, dass ab Montag 16.00 Uhr Ortszeit der Versicherungsschutz für Flugzeuge in und über der Ukraine ausgesetzt würde.

Ukrainischer Luftraum

Die Ukraine will gegensteuern und mehr als 16,6 Milliarden Hrywnja (520 Millionen Euro) bereitstellen, um in der aktuellen Krise den Flugverkehr in ihrem Luftraum zu gewährleisten. Das teilte die Regierung in Kiew am Sonntagabend nach einer außerordentlichen Sitzung mit. Zuvor musste am Sonntag ein ukrainischer Flug vom Flughafen Funchal auf Madeira auf dem Weg nach Kiew in der Republik Moldau landen. Die betroffene Fluglinie SkyUp teilte zur Begründung per Facebook mit, das ausländische Leasingunternehmen für das Flugzeug habe aufgrund der US-Kriegswarnungen den Flug in den ukrainischen Luftraum verboten. Das ukrainische Infrastrukturministerium sprach von Schwierigkeiten wegen "Schwankungen auf dem Versicherungsmarkt". Eine geplante Sperre des ukrainischen Luftraums wurde am Sonntag indes vom zuständigen Infrastrukturministerium dementiert. "Wir erwarten, dass sich die Situation in der allernächsten Zeit stabilisiert", hieß es in einer Aussendung.

Angesichts des Aufmarschs Zehntausender russischer Soldaten an der Grenze zur Ukraine hatte die US-Regierung am Freitag davor gewarnt, dass Russland möglicherweise noch vor dem 20. Februar das Nachbarland angreifen könnte. Der Kreml dementiert solche Vorwürfe vehement. Zahlreiche Staaten riefen am Wochenende ihre Bürger zur Ausreise aus der Ukraine auf. (apa, dpa, reuters)