Ein Debakel mit riskanten Finanzanlagen in den USA überschattet ein Rekordjahr der Allianz. Mehr als 3,7 Milliarden Euro kostet es den Münchner Versicherungsriesen, die Klagen von Anlegern und Untersuchungen der US-Behörden beizulegen. Mit den meisten großen US-Investoren habe man sich am Freitagmorgen auf einen Vergleich geeinigt, sagte Vorstandschef Oliver Bäte in München.

Der Fehlschlag mit den von der Anlagetochter AllianzGI entwickelten und verkauften "Structured Alpha"-Hedgefonds hatte dem Versicherer Negativschlagzeilen beschert. Die Papiere waren vor allem an große Pensionsfonds verkauft worden, die an eine sichere Anlage glaubten. Doch als die Märkte im März 2020 wackelten, verloren sie einen Großteil ihres Einsatzes. Unter den Klägern ist neben dem Pensionsfonds für Lehrer im US-Bundesstaat Arkansas (ATRS) auch der Fonds für die Mitarbeiter des Betreibers der New Yorker Verkehrsbetriebe, der Metropolitan Transport Authority (MTA). 

Gut zwei Dutzend Investoren haben die Allianz auf mehr als sechs Milliarden Dollar verklagt, weil die Fonds sich anders als versprochen nicht als krisensicher entpuppt hatten. Sie werfen ihr vor, angesichts der zeitweiligen Panik an den Märkten von ihrer Investmentstrategie abgewichen zu sein. Das hatte auch die US-Aufsichtsbehörden auf den Plan gerufen.

Der Nettogewinn der Allianz lag trotz der Belastungen mit 6,6 Milliarden Euro im vergangenen Jahr nur um drei Prozent unter dem von der Corona-Krise geprägten Vorjahreswert. Das war aber der niedrigste Wert seit 2013. Operativ lief es prächtig: Der Rekordgewinn von 13,4 Milliarden Euro lag um ein Viertel über dem Vorjahresniveau und über den eigenen Erwartungen. Die Aktionäre sollen unter der Hedgefonds-Affäre nicht leiden: Die Dividende soll kräftig um 1,20 Euro auf 10,80 Euro je Aktie steigen. Daneben will die Allianz noch im ersten Quartal damit beginnen, eigene Aktien zurückzukaufen und damit bis zu eine Milliarde Euro überschüssiges Kapital an die Anteilseigner zurückgeben.

Vorstand muss bei Boni Abstriche machen

Der gesamte Vorstand werde die Verluste dagegen über den Bonus für 2021 im eigenen Geldbeutel spüren und damit "seinen fairen Anteil tragen", sagte Bäte. Die für Asset Management zuständige Vorständin Jacqueline Hunt hatte bereits im Herbst gehen müssen.

Den Umsatz steigerte die Allianz um sechs Prozent auf 148,5 Milliarden Euro. Am besten verdiente erneut die Schaden- und Unfall-Versicherung, deren operatives Ergebnis angesichts des Endes der Corona-Belastungen und trotz der Milliardenschäden aus der Flutkatastrophe im Westen Deutschlands um 31 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro in die Höhe schnellte.

In der Lebens- und Krankenversicherung, aber auch im Asset Management verdiente die Allianz jeweils deutlich mehr als geplant. Die Anleger bei den Kapitalanlage-Töchtern Pimco und AllianzGI zeigten sich von dem Hedgefonds-Debakel unbeeindruckt. Ihnen flossen 110 Milliarden Euro zu, so dass die Allianz zum Jahresende 2,61 Billionen Euro für Fondsinvestoren und für ihre Versicherungskunden verwaltete. Lebensversicherung und Asset Management sollen in den nächsten Jahren zusammenwachsen, wie Bäte ankündigte. Produkte sollen gemeinsam entwickelt werden, die Kapitalanlage findet ohnehein koordiniert statt.

Im laufenden Jahr will die Allianz das operative Ergebnis bei 13,4 Milliarden Euro halten - mit der üblichen Spanne von einer Milliarde nach oben und unten. Wenn das gelingt, dürften die für 2024 angepeilten mindestens 14,5 Milliarden Euro keine große Hürde mehr darstellen. (reuters)