Italiens Ministerpräsident Mario Draghi fordert als Konsequenz aus der aktuellen Ukraine-Krise länderübergreifende Speicher für Erdgas in der Europäischen Union. Das sagte der Regierungschef am Freitag in einer Erklärung im Parlament in Rom. Sein Land werde in Brüssel darauf drängen, bessere Mechanismen für gemeinsame Speicher auf den Weg zu bringen, um für künftige Notlagen besser gerüstet zu sein.

"Wir hoffen, dass diese Krise endlich zu einer positiven Antwort in dieser Thematik führt", sagte Draghi. Er berichtete, dass Italien im Vergleich zu anderen europäischen Ländern verhältnismäßig gut durch den Winter gekommen sei. Die Gasspeicher seien im Oktober zu 90 Prozent gefüllt gewesen. Im Anschluss wurden diese dann intensiv genutzt, so dass sie im Februar schon ein Niveau erreichten wie normalerweise im März. Angesichts steigender Temperaturen nach dem Ende des Winters gab sich Draghi aber zuversichtlich für die nächste Zeit.

Italien bezieht 45 Prozent des Gases aus Russland

Draghi kritisierte die Fokussierung der italienischen Gasversorgung auf Russland in den vergangenen Jahren, 45 Prozent des Gases beziehe das Mittelmeerland von den Russen. Nun versuche Rom, etwa aus Aserbaidschan, Algerien, Libyen oder den USA mehr Gas zu bekommen. Um die Energieversorgung kurz- und mittelfristig zu sichern, erwäge Italien außerdem, Kohlekraftwerke wieder in Betrieb zu nehmen.

Draghi sagte, dass die Gasspeichereinrichtungen verbessert werden müssten, und forderte die Europäische Union auf, gemeinsame Speichersysteme zu entwickeln. Er warnte davor, dass es notwendig sein könnte, Kohlekraftwerke wieder in Betrieb zu nehmen, um kurzfristige Versorgungsengpässe zu überbrücken, und stellte weitere Schritte in Aussicht, um die Auswirkungen der steigenden Energierechnungen auf Haushalte und Unternehmen abzumildern.

Die italienische Regierung hat letzte Woche Maßnahmen im Wert von rund 6 Mrd. Euro beschlossen, um Verbrauchern und Unternehmen, die von höheren Energierechnungen betroffen sind, im Rahmen eines 8-Milliarden-Euro-Pakets zur Unterstützung der Wirtschaft zu helfen. (apa, dpa)