Seit Samstag ist eine Reihe russischer Banken wegen der anhaltenden militärischen Invasion in der Ukraine aus dem größten internationalen Zahlungssystem Swift ausgeschlossen. Die Rating-Agentur Standard & Poor’s hat das Land auf Ramsch-Niveau eingestuft. Die Auslandsreserven der russischen Notenbank werden in der EU, den USA, Kanada und anderen Saaten eingefroren, und der Rubel befindet sich im freien Fall.

Diese massiven, umfassenden Sanktionen treffen nicht nur die russische Wirtschaft sehr hart, sie haben auch Auswirkungen auf die europäischen Märkte. Der Swift-Ausschluss bringt den heimischen Bankensektor ins Wanken. Die Raiffeisen International, die fast die Hälfte ihrer Gewinne zuletzt in Russland und der Ukraine erwirtschaftet hat, ist unter Druck.

Stark isoliert

Die "Society of Worldwide Interbank Financial Telecommunication", kurz Swift, ist das weltweit größte Finanz-Transfernetz, das von rund 11.000 Banken zur Abwicklung von Transaktionen genutzt wird. In der Nacht auf Samstag haben die EU-Kommission, die USA und Kanada den zuvor umstrittenen Ausschluss russischer Banken aus Swift beschlossen. Der Ausschluss trifft zahlreiche russische Geldhäuser, unter anderem die staatliche Sberbank und VTB. Insgesamt sind 80 Prozent des russischen Bankensektors davon betroffen. Übrigens hat der Ausschluss auch Auswirkungen auf die Gaslieferungen aus Russland, die quasi über Swift bezahlt werden.

Im Klartext heißt das: Alle Banken, die zuvor von Sanktionen betroffen waren, können keine Abwicklungen über dieses Netzwerk mehr tätigen. Sie sind damit weitgehend von den internationalen Finanzmärkten abgeschnitten und isoliert. In Folge der Sanktionspalette ist etwa der Aktienkurs der russischen Sberbank an der Londoner Börse um 68 Prozent eingebrochen. Russlands Notenbank hat am Montag eine interne Alternative für russische und Partnerbanken angeboten. Zentralbankchefin Elvira Nabiullina sagte, mit diesem System könnten sich auch ausländische Gegenparteien verbinden.

Außerdem arbeitet Russland schon länger zusammen mit China an einer eigenen Alternative zu Swift. Allerdings kann all das den sofortigen Ausschluss noch lange nicht kompensieren.

RBI unter Druck

Der Ausschluss aus Swift zusammen mit den anderen Sanktionen ist eine Tragödie für die russische Finanzwirtschaft. Dieser wird auch weitreichende Folgen für die europäische und heimische Bankenlandschaft haben. Das Gesamtexposure heimischer Banken gegenüber Russland betrug mit Stand September 2021 umgerechnet 15,4 Milliarden Euro. Das ist im EU-Vergleich sehr hoch. Nur Italien (25,3 Milliarden) und Frankreich (25,2 Milliarden) liegen darüber.

Wifo-Chef Gabriel Felbermayr hat im Ö1-Morgenjournal am Montag vor drastischen Folgen auch für die heimische Wirtschaft gewarnt. Insbesondere, was die RBI betrifft. "Da wird man jetzt einen Schutzschirm spannen müssen, damit das nicht zu echten Problemen bei der RBI führt, das muss man sehen im Laufe des Tages." Etwas später ruderte er wieder zurück und stellte klar, dass das derzeit nicht der Fall sei, dass man das Thema aber jedenfalls im Auge behalten solle.

"Unsere russische Tochterbank verfügt über eine sehr starke Liquiditätsausstattung und verzeichnet Zuflüsse. Die Kapitalposition ist ebenfalls stark", meldete sich RBI-Chef Johann Strobl als Reaktion auf Felbermayr per Aussendung. Die RBI ist mit einem Marktanteil von 2 Prozent und einem Kreditvolumen von circa 11 Milliarden Euro kein großer Player auf dem russischen Markt. Laut aktuellem Stresstest würde die Bank sogar einen Wegfall des gesamten Russland-Geschäfts verkraften.

Allerdings wäre das ein überaus schmerzhafter Wegfall. Die RBI-Aktie ist am Montag abermals um 17 Prozent abgestürzt. Insgesamt verlor die Aktie innerhalb einer Woche wegen des Kriegs in der Ukraine und der verschärften Sanktionen gegen Russland ein Drittel an Wert. Vorsichtig äußerte sich heute Erste-Group-CEO Bernd Spalt: "Ich halte die RBI für eine sehr gut aufgestellte Bank, die ich auch so einschätze, dass sie in der Lage ist, mit sehr schwierigen Situationen umzugehen", so Spalt am Montag im Rahmen der Bilanzpressekonferenz der Erste Group. "Es hilft im Moment nicht, sehr starke Statements zu machen, die kein Problem lösen, sondern ein Problem möglicherweise vertiefen." Auch das Finanzministerium sieht in der RBI eine "sehr gut aufgestellte Bank mit einem exzellenten Management, die gut vorbereitet auf alle Eventualitäten ist", hieß es aus dem Ministerium.(del)