Die Ölpreise legen angesichts des Kriegs in der Ukraine weiter deutlich zu. Ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent kostete gegen 11.20 Uhr 111,03 US-Dollar, was einem satten Preisaufschlag von 5,77 Prozent entspricht. In der Früh hatte Brent sogar kurz über 113 Dollar notiert. Die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) verteuerte sich um 2,31 Prozent auf 108,82 Dollar das Fass.

Der Preis für ein Barrel OPEC-Öl wurde für Dienstag mit 103,89 US-Dollar festgelegt, wie das OPEC-Sekretariat am Mittwoch mitteilte. Am Montag hatte der Preis noch bei 99,22 Dollar gelegen. Der OPEC-Preis setzt sich aus einem Korb von zwölf Sorten zusammen.

Auslöser des Preisschubs am Rohölmarkt sind der Krieg Russlands in der Ukraine und die denkbaren Folgen für das Ölangebot. Einerseits halten es Fachleute für möglich, dass große Volkswirtschaften die Einfuhr russischen Erdöls sanktionieren, andererseits werden auch Gegensanktionen Russlands bis hin zu einem Ausfuhrstopp für möglich gehalten. Russland ist einer der größten Ölförderer und -exporteure der Welt.

Am Dienstag hatten die Mitgliedstaaten der Internationalen Energieagentur (IEA) die Freigabe von 60 Millionen Barrel Rohöl aus ihren strategischen Reserven beschlossen. Am Ölmarkt hat die Freigabe der vergleichsweise kleinen Menge nicht zu einer Beruhigung der Lage geführt.

Opec vom Krieg unbeeindruckt

Die von Saudi-Arabien und Russland dominierte Ölallianz OPEC+ hält an ihren vorsichtigen Produktionserhöhungen trotz des Kriegs in der Ukraine fest. Im April wollen die 20 Länder ihre tägliche Fördermenge wie geplant um 400.000 Barrel (1 Barrel = 159 Liter) ausweiten, hieß es am Mittwoch aus Kreisen der OPEC+, nachdem die Gruppe eine kurze Online-Sitzung beendet hatte.

Gaspreis in Europa auf Rekordhoch

Der Preis für Erdgas hat in Europa angesichts des Ukraine-Krieges ein neues Rekordhoch erreicht. Am Mittwoch wurde am wichtigen niederländischen Handelspunkt TTF eine Megawattstunde (MWh) für 194,715 Euro gehandelt.

Schon vor dem russischen Angriff auf die Ukraine hatte der Gaspreis in den vergangenen Monaten deutlich zugelegt, was sich auf Verbraucherpreise und Inflation auswirkte. Ende 2021 lag der Preis beispielsweise bei rund 148 Euro je MWh. Zum Vergleich: Im langjährigen Mittel bewegte er sich laut Vergleichsportalen zwischen 10 und 25 Euro.

Euro beeinträchtigt

Der Euro hat am Mittwochvormittag gegenüber dem US-Dollar Verluste aufgewiesen. Gegen 11.00 Uhr kostete die Gemeinschaftswährung 1,1086 US-Dollar und damit weniger wie heute früh. Am Vorabend wurde der Euro noch bei 1,1126 Dollar gehandelt.

Höchste Inflation seit 1999

Neben den Entwicklungen im Ukraine-Krieg standen die veröffentlichten Inflationszahlen aus dem Euroraum im Fokus. Die Inflation im Euroraum hat ihren Höhenflug fortgesetzt und ist angetrieben von hohen Energiekosten auf ein Rekordhoch gestiegen. Im Februar kletterten die Verbraucherpreise im Jahresvergleich um 5,8 Prozent, wie das Statistikamt Eurostat in Luxemburg nach einer ersten Schätzung mitteilte. Dies ist der höchste Wert seit Einführung des Euro im Jahr 1999.

Analysten hatten vor dem Hintergrund der hohen Energiepreise mit einem spürbaren Anstieg der Inflation gerechnet, wurden aber von der Stärke des Preissprungs überrascht. Sie hatten im Schnitt nur eine Teuerungsrate von 5,6 Prozent erwartet.

Spannung herrsche nun wie die Europäische Zentralbank (EBZ) auf die rasante Preisentwicklung reagieren werde. Die Finanzmärkte preisen zuletzt weniger Zinserhöhungen ein und einige EZB-Vertreter haben dies mit ihren Kommentaren angeheizt, hieß es von Analystenseite.

ATX grenzt Minus ein

Die Wiener Börse hat am Mittwochvormittag die deutlichen Verluste vom Frühhandel etwa eingegrenzt. Gegen 12.00 Uhr notierte der heimische Leitindex ATX mit minus 1,47 Prozent bei 3.102,61 Einheiten, nachdem er zuvor schon fast drei Prozent tiefer tendiert hatte.

An den zwei Vortagen war der ATX wegen des Angriffs Russlands auf die Ukraine und der möglichen wirtschaftlichen Folgen in Summe um etwa zehn Prozent eingebrochen.

An der Börse regiere "die Angst vor den Auswirkungen der Wirtschaftssanktionen und die Angst vor den Folgen der immer weiter steigenden Energiepreise", formulierte ein Experte. An den europäischen Leitbörsen gab es hingegen bereits einheitlich positive Vorzeichen zu sehen.

Banken und Energie besonders betroffen

Ihren Abwärtsschub setzten in Wien vor allem die Bankenaktien fort. Die Titel der Raiffeisen Bank International (RBI) büßen weitere 3,6 Prozent ein. Die Aktie der in der Ukraine und in Russland tätigen Bank brachen bereits am Vortag zweistellig um etwas mehr als zehn Prozent ein und mussten am Montag einen herben Abschlag von 14 Prozent verbuchen. Erste Group fielen am Berichtstag bisher um 5,5 Prozent und Bawag rauschten neun Prozent in die Tiefe.

Unter Verkaufsdruck standen auch die Aktien der Energieversorger Verbund und EVN mit Abschlägen von 4,2 bzw. 4,4 Prozent. Bei den weiteren Schwergewichten legten OMV-Anteilsscheine und Andritz jeweils um 1,3 Prozent zu. voestalpine konnten sich mit einem Kursplus von sechs Prozent merklich gegen den allgemeinen Abwärtssog stemmen

Schoeller-Bleckmann gewannen nach einer neuen Analystenmeinung um 4,4 Prozent auf 38,35 Euro. Die Experten der Erste Group haben ihr Kursziel für die Aktien des niederösterreichischen Ölfeldausrüsters von 42,5 auf 44,8 Euro nach oben revidiert. Das Anlagevotum "Accumulate" wurde zudem bestätigt.

Nach Zahlenvorlage fiel die Flughafen-Aktie leicht um 0,4 Prozent. Der von der Coronakrise schwer betroffene Flughafen Wien ist im vergangenen Jahr wieder in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Unter dem Strich erzielte das Unternehmen einen Gewinn von 6,1 Mio. Euro, nach einem Verlust von 75,7 Mio. Euro im Jahr 2020. Der Krieg in der Ukraine erhöhe aber die Unsicherheit über die künftige Entwicklung, teilt der größte heimische Airport mit.

Wienerberger-Titel gaben um ein Prozent auf 24,54 Euro ab. Hier hat die Berenberg Bank sowohl ihr "Buy"-Votum als auch das Kursziel von 43 Euro für die Aktie des heimischen Ziegelherstellers bestätigt.

Europas Börsen mittags etwas erholt

Die europäischen Leitbörsen haben sich am Mittwoch zu Mittag von den Verlusten aus der Früh erholt. Der Euro-Stoxx-50 stand gegen 12.00 Uhr 0,44 Prozent höher bei 3.782,57 Punkten. Der Frankfurter DAX legte um knappe 0,01 Prozent auf 13.905,90 Einheiten zu. Der FTSE-100 in London gewann klarere 0,73 Prozent auf 7.383,95 Zähler. In Paris kletterte der CAC-40 um 0,31 Prozent auf 6.416,34 Punkte.

Der Krieg habe aber nicht nur Auswirkungen auf die Märkte, sondern auch auf die konjunkturellen Perspektiven, schreiben die Analysten der Helaba. "Sanktionen und Energiepreisanstiege erfordern eine Neubewertung, insbesondere auch bei den Notenbanken." Die gestiegenen Ölpreise treiben auch die Inflation weiter an. In der Eurozone sind die Verbraucherpreise im Februar um 5,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Das ist der höchste Wert seit der Euro-Einführung im Jahr 1999 und übertraf auch die Erwartungen der Analysten.

Das teuerere Öl triebt auch die Anteilsscheine von Energiekonzernen an. Total-Papiere verteuerten sich um 4,2 Prozent. Für den Ölkonzern Eni ging es um 0,7 Prozent nach oben.

Zulegen konnten im Eurozonen-Leitindex zudem Tech-Werte. SAP gewannen 2,4 Prozent und profitierten damit auch von starken Zahlen des US-Konkurrenten Salesforce. ASML legten um 1,8 Prozent zu - Infineon um 1,5 Prozent.

Auch Asiens Börsen reagierten

Nach der soliden Entwicklung in den vergangenen beiden Tagen konnten sich die asiatischen Börsen dem internationalen Abwärtstrend am Mittwoch nicht mehr entziehen.

Es zeige sich mehr und mehr, dass die Welt außerhalb Russlands als Preis für die russische Invasion in der Ukraine einen hohen Preis zahlen müsse, begründete Analyst Jeffrey Halley vom Broker Oanda die Abgaben. Lieferketten würden erneut beeinträchtigt und die Inflation in einem ohnehin schon inflationären Umfeld angeheizt. Der Anstieg der Ölpreise auf mehrjährige Höchststände habe weltweite Wachstumsängste ausgelöst.

Entsprechend fielen die Verluste am exportorientierten japanischen Markt vergleichsweise deutlich aus. In Tokio gab der japanische Leitindex Nikkei-225 um 1,68 Prozent auf 26.393,03 Punkte nach.

Besser hielt sich die australische Börse. Hier gewann der All Ordinaries Index 0,28 Prozent auf 7.406,30 Punkte. Als Exporteur von Energie, Industrieerzen und landwirtschaftlichen Erzeugnissen ist das Land ein Profiteur der Entwicklung. "Australiens Wirtschaft könnte in diesem Jahr mit einem Plus von fünf Prozent eine der höchsten Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts unter den Industrieländern aufweisen", merkte Anlagestratege Stephan Ulrich von der Postbank dazu an. "Australische Aktien haben sich seit Jahresbeginn in US-Dollar gerechnet besser entwickelt als im Euroraum oder in den USA." Zudem seien die Bewertungen im internationalen Vergleich nicht allzu hoch.

Der Shanghai Composite sank um 0,13 Prozent auf 3.484,52 Punkte. Für den Hang-Seng-Index in der chinesischen Sonderverwaltungsregion Hongkong ging es zuletzt um 1,84 Prozent auf 22.343,92 Punkte nach unten. In Indien ermäßigte sich der Sensex-30 um 1,57 Prozent auf 55.362,69 Einheiten. (apa/dpa-AFX/Reuters)