Der Öl- und Gaskonzern Wintershall Dea schreibt das vor dem Aus stehende Ostseepipeline-Projekt Nord Stream 2 als erster Beteiligter vollständig ab. Der Vorstand habe entschieden, den Anteil von Wintershall Dea an der Finanzierung von rund einer Milliarde Euro abzuschreiben, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit.

Die rund 9,5 Milliarden Euro teure Pipeline gehört dem russischen Gaskonzern Gazprom, die Finanzierung hatten aber zur Hälfte Wintershall Dea, der Versorger Uniper, die österreichische OMV, die französische Engie und Shell übernommen. Nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine liegt die Pipeline auf Eis.

Noch kein  Insolvenzantrag der Nord Stream 2 AG

Die in der Schweiz ansässige Projektgesellschaft Nord Stream 2 AG hat alle ihre Mitarbeiter bereits entlassen, nach Angaben vom Mittwoch aber bisher keinen Insolvenzantrag gestellt. Nach Reuters-Informationen könnte das aber noch in dieser Woche passieren.

Die OMV hat sich jüngst nicht geäußert, ob sie einen Abschreibungsbedarf ihrer Finanzierung sieht. Der ebenfalls beteiligte Finanzpartner Uniper äußerte sich zunächst nicht dazu, ob er seine rund eine Milliarde Euro auch abschreiben wird. Die Düsseldorfer Tochter des finnischen Versorgers Fortum will ihr Russland-Geschäft fortsetzen. Der Konzern werde sein Geschäft in Russland weiterhin verantwortungsvoll betreiben, teilte Uniper mit. "Bestehende Verträge zur Strom- und Gasversorgung in Russland und Europa, für die russische Gasimporte eine wesentliche Rolle spielen, werden wir einhalten." Uniper verurteile aufs Schärfste den Einmarsch Russlands in die Ukraine, der eine Verletzung des Völkerrechts und der Prinzipien der UN-Charta darstelle.

Wintershall DEA, an der der Chemiekonzern BASF 67 Prozent hält, kündigte an, alle neuen Projekte zur Öl- und Gas-Förderung in Russland zu stoppen. Zahlungen nach Russland würden sofort eingestellt. An den bestehenden Erdgas-Förderprojekten Juschno Russkoje und Achimov in Sibirien hält das Unternehmen aber fest. "Wir haben viele persönliche Beziehungen aufgebaut - auch in unseren Joint Ventures", betonte der Chef von Wintershall Dea, Mario Mehren. "Doch das Fundament unserer Arbeit in Russland ist in den Grundfesten erschüttert worden." Der Vorstand von Wintershall Dea analysiere die Situation sehr sorgfältig, einschließlich der rechtlichen Implikationen. (apa/reuters)