Moskau/Paris. Zwei Tage nachdem Russland seine Panzer in die Ukraine geschickt hatte, empfing Louis Vuitton in Moskau noch wohlhabende Kunden bei Sushi und Champagner. Seit vergangenem Freitag sind die Geschäfte des Luxus-Unternehmens in Russland geschlossen. Auch Kering, Hermès und Chanel haben inzwischen die Läden ihrer Boutiquen in Russland heruntergelassen. Aber die französische Luxusindustrie zögert, sich allzu russlandkritisch zu zeigen. Denn dafür ist nicht nur die russische Kundschaft viel zu wichtig, bisher gibt es seitens der Regierung in Paris auch keine eindeutigen Signale in dieser Hinsicht.

So hält es Wirtschaftsminister Bruno Le Maire zwar für ein "grundsätzliches Problem", mit kremlnahen Wirtschaftsvertretern zusammenzuarbeiten. Gleichzeitig hat Paris bisher aber darauf verzichtet, französische Unternehmen zum Rückzug aus Russland zu drängen.

Von Paris bis Courchevel

Das unmittelbare Russland-Geschäft ist für die französischen Marken von den Zahlen her nicht besonders groß. LVMH hat im vergangenen Jahr mehr als 64 Milliarden Euro Umsatz gemacht, nach Angaben von "Le Monde" entfielen davon nur zwei Prozent auf Russland. Aber reiche Russinnen und Russen kaufen Handtaschen, Uhren, Seidentücher und Kosmetik eben nicht nur in Russland, sondern auch in Paris, im Skiort Courchevel oder an der Côte d’Azur, die schon seit dem 19. Jahrhundert ein Tummelplatz für all jene aus Russland ist, die sich etwas leisten können.

Von den französischen Luxusmarken hat LVMH wohl den besten Draht nach Russland. Unternehmenschef Bernard Arnault, laut "Forbes" der drittreichste Mensch der Welt, wurde 2016 vom russischen Präsidenten Wladimir Putin im Kreml empfangen. Bei dieser Gelegenheit bedankte sich Putin, dass Arnault die Ausstellung des bedeutenden Kunstmäzens Sergei Schtschukin in Paris organisiert hatte. Die Ausstellung "Ikonen der Moderne" hatte eine Rekordzahl von 1,3 Millionen Besuchern angezogen - kulturelle "soft power", von Moskau gewollt und gefördert.

Derzeit ist in der Fondation Louis Vuitton die Nachfolge-Ausstellung zu sehen, die zahlreiche französische und russische Meisterwerke vereint. Zur Eröffnung im September war auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron gekommen. Gemeinsam mit Putin hat er auch das Vorwort des Ausstellungskatalogs verfasst. Darin ist auch die Rede von "Brücken zwischen unseren Ländern, die die Künstler gebaut haben" und einer "immer schon besonderen Beziehung" zwischen Frankreich und Russland.(afp)