Die weltweiten Lebens- und Futtermittelpreise könnten den Vereinten Nationen zufolge infolge des Ukraine-Krieges drastisch steigen. Es drohe ein Anstieg von acht bis 20 Prozent, sagte die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) am Freitag voraus. Das wiederum könne zu einem sprunghaften Anstieg der Zahl unterernährter Menschen führen. Noch sei nicht klar, ob die Ukraine während eines lang anhaltenden Konflikts noch Getreide ernten könne.

Aber auch hinter den russischen Lebensmittelexporten stehe nach den westlichen Sanktionen ein Fragezeichen. Der FAO zufolge ist Russland der weltweit größte Exporteur von Weizen, während die Ukraine an fünfter Stelle rangiere. Zusammen seien die beiden Länder für 19 Prozent der weltweiten Gerstenversorgung verantwortlich. Bei Weizen liege der Anteil bei 14 und bei Mais bei 4 Prozent. Insgesamt entfielen rund ein Drittel der weltweiten Getreideexporte auf diese beiden Länder.

Der Ukraine-Krieg droht einer Studie zufolge die Versorgung afrikanischer Staaten mit Getreide für die Lebensmittelproduktion deutlich zu verschlechtern. "Handelswege sind gekappt, Infrastruktur zerstört und alle verbleibenden Produktionskräfte dürften auf eine Kriegswirtschaft ausgerichtet werden", sagte Handelsforscher Hendrik Mahlkow vom Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW). "Da das Land einer der wichtigsten Getreideexporteure der Welt ist, insbesondere für den afrikanischen Kontinent, wird dies die dortige Versorgungssituation spürbar verschlechtern." Allein in Tunesien drohe langfristig eine Verteuerung um etwa ein Viertel bei einigen Getreidesorten. Auch in Deutschland wären die Folgen spürbar, wenn auch weit weniger dramatisch. (apa)