Der Krieg in der Ukraine wirkt sich immer stärker auf die Preise von wichtigen Rohstoffen aus. Besonders betroffene Produktgruppen sind erdölbasierte Stoffe wie Bitumen als wichtiger Bestandteil von Asphalt für den Straßenbau sowie Stahl und Aluminium, die zu großen Teilen aus Russland und der Ukraine bezogen werden.

"Die Materialpreise steigen täglich, teilweise im Stundentakt", sagt Tim-Oliver Müller, Geschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie. Allerdings sei dies bisher noch kein Anzeichen von Knappheit, sondern eher von Angst vor drohenden Lieferausfällen. Inwieweit es dann tatsächlich zu Engpässen kommen werde, lasse sich noch nicht beurteilen. "Die Gefahr ist aber sehr real", sagt Müller.

Für Bauunternehmen wird es zudem schwieriger, Spundwände und Epoxidharze oder Abdeckfolien und Hartholz am Markt einzukaufen. "Bereits jetzt garantieren einzelne Baustofflieferanten keine Preise mehr, teilweise nehmen Lieferanten sogar keine Anfragen mehr entgegen", sagt Müller. In laufenden Verträgen sei es für die Unternehmen kaum möglich, höhere Kosten weiterzureichen. Für neue Projekte könne dies sogar dazu führen, dass die Unternehmen keine Angebote mehr abgeben können.

Spekulationen auf Engpässe

Befürchtete Lieferengpässe infolge des russischen Angriffskrieges in der Ukraine führten in der vergangenen Woche auch zu einem massiven Preisanstieg von Nickel. Der zur Stahl-Herstellung benötigte Rohstoff verteuerte sich um mehr als das Doppelte auf ein Rekordhoch von 100.000 Dollar je Tonne. Die Londoner Metallbörse LME setzt daraufhin den Handel mit Nickel aus. Ursache waren Spekulationen auf Engpässe bei den Lieferungen aus Russland.

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Auch in Shanghai sprang der Preis am Mittwoch um 17 Prozent hoch und erreichte ein Handelslimit. Der chinesische Nickelproduzent Tsingshan Holding Group musste angesichts seiner Wetten auf fallende Nickelpreise große Mengen des Metalls kaufen, um kostspielige Nachschussforderungen zu reduzieren. Das heizte die Rally zusätzlich an. Auch in Shanghai wurde daraufhin der Handel ausgesetzt.

Caspar Rawles von der Beratungsfirma Benchmark Mineral Intelligence sagt, Russland steuere zwar nur fünf Prozent der weltweiten Nickelproduktion bei, liefere aber von hochwertigem Nickel ein Fünftel. "Das ist die größte Sorge für die Batterie-Lieferkette, die mit Rekordpreisen für Lithium und extrem hohen Kobaltpreisen zu kämpfen hat", sagt Rawles.

In Krisensitzungen mit Zulieferern werde derzeit "Katastrophen-Tetris" gespielt, heißt es bei einem Autohersteller: "Was bekommen wir wegen der Kämpfe nicht, was bekommen wir wegen der Sanktionen nicht, was bekommen wir wegen der Pandemie nicht."

BMW und VW müssen ihre Produktion drosseln

Die Ukraine ist auch ein wichtiger Standort für Hersteller von Kabelbäumen, die individuellen Stromkreise im Auto, die sich wie Adern durch das gesamte Fahrzeug ziehen. Viele wichtige Zulieferer legten nun ihre Produktion auf Eis. Dabei ist nicht einmal noch die Chipknappheit überstanden. Autobauer von BMW bis Volkswagen mussten die Produktion drosseln. Sie müssen erst einmal ermitteln, wo die Rohstoffe genau herkommen, die dann in Batterien, Katalysatoren und vielen anderen Autoteilen landen.

Zahlreiche Firmen, darunter die Nürnberger Leoni, Kromberg & Schubert aus Renningen, Fujikura aus Japan oder Nexans aus Frankreich, haben sich in den vergangenen Jahren hier angesiedelt wegen der niedrigen Arbeitskosten, einer guten Ausbildung der Bevölkerung und der Nähe zu den großen Autowerken in Mittel- und Westeuropa. Doch die guten Bedingungen sind jetzt Geschichte.

Die Gespräche über Alternativen laufen. Audi erklärte, gemeinsam mit anderen Marken im VW-Konzern werde derzeit geprüft, wie die Produktion der Teile an anderen Standorte der Zulieferer verlagert werden könnte. "Neben Osteuropa sind Nordafrika, Mexiko und gegebenenfalls China mögliche Alternativen, die wir bewerten", sagte ein Sprecher. Möglich sei etwa, dass die Zulieferer ihre Produktion auf mehrere Standorte aufteilten.

Doch egal, ob in Nordafrika oder in Mexiko - bis es so weit ist, werden die Preise weiter ansteigen.(vasa/reuters/dpa/apa)