Die hochansteckende Omikron-Variante breitet sich in China weiter aus und sorgt für Corona-Ausbrüche in mehreren Landesteilen. Am Sonntag habe es in Festland-China 1337 neue, im Inland übertragene symptomatische Covid-19-Fälle gegeben, teilte die Nationale Gesundheitskommission am Montag mit. Damit haben die Behörden in Festland China in diesem Jahr bereits mehr symptomatische Covid-19-Fälle gemeldet als im gesamten Jahr 2021. Corona-Ausbrüche in wichtigen Metropolen lähmen zusehends das wirtschaftliche Leben.

Die Stadt Changchun im Nordosten Chinas ist derzeit abgeriegelt, in Shanghai wurden die Schulen geschlossen und im südchinesischen Shenzhen - Chinas Silicon Valley - wurde der öffentliche Nahverkehr vorübergehend eingestellt und die Menschen aufgefordert, von zu Hause zu arbeiten. In Changchun setzten Toyota und Volkswagen die Produktion in ihren Joint Ventures mit der chinesischen FAW Group aus. Bei Volkswagen sollen die Bänder bis Mittwoch stillstehen. Von FAW, das seinen Hauptsitz in Changchun hat, war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Die Apple-Zulieferer Foxconn und Unimicron Technology hielten die Bänder in ihren Werken in Shenzhen an.

Experten: Fatale Folgen

Experten befürchten schwere Folgen für die chinesische Wirtschaft und Auswirkungen auf die ohnehin angespannten internationalen Lieferketten. "Chinas Wirtschaft könnte erneut schwer getroffen werden", erklärten die Analysten der japanischen Investmentbank Nomura. Die Corona-Situation in China habe sich in der vergangenen Woche in einem "alarmierenden" Tempo verschlechtert. "Der Ausbruch hat nun fast alle Teile Chinas erreicht, die von großer wirtschaftlicher Bedeutung sind." Paul Weedman vom Beratungsunternehmen Victure Industrial in Shenzhen warnte vor einem Dominoeffekt. "Stellen Sie sich vor, Sie haben eine Fabrik mit 100 Mitarbeitern und können plötzlich nichts mehr tun - Sie können Ihre bestehenden Aufträge nicht erfüllen, Sie können keine neuen Aufträge annehmen. Das hat Auswirkungen nicht für zwei oder drei Wochen, sondern für drei bis sechs Monate." Der Hafen von Shenzhen, einer der wichtigsten Containerhäfen Chinas, erklärte, der Betrieb laufe normal. Doch zwei Unternehmen mit Lagerhäusern im Hafen stellten ihren Betrieb vorläufig ein.

Insgesamt haben die Behörden nach Reuters-Berechnungen in diesem Jahr bereits mehr als 9000 symptomatische, im Inland übertragene Covid-19-Fälle gemeldet, nach 8.378 im Jahr 2021. Inklusiver importierter Fälle meldeten die Behörden in Festland-China bis zum 13. März 116.902 Fälle mit bestätigten Symptomen. Darin sind die Fälle in der ehemaligen britischen Kronkolonie Hongkong nicht enthalten, die allein am Montag 26.908 neu Ansteckungen meldete.

China fährt weiterhin Null-Covid-Strategie

Im Vergleich zu anderen Ländern sind die Corona-Zahlen in Festland-China niedrig, doch die Regierung hält weiterhin an ihrer strikten Anti-Corona-Politik fest und versucht, mit Lockdowns und Massentests Ausbrüche in den Griff zu bekommen. Loyd Ge, ein 34-jähriger Einwohner Shanghais, stellt sich auf weitere Einschränkungen ein. Trotz der Schließung des Fernbus-Bahnhofs und Testvorschriften bei Reisen in andere Provinzen habe es einen neuen Corona-Ausbruch in der Finanzmetropole gegeben. "Das heißt, die Eindämmungsmaßnahmen werden weiter verstärkt. Wir sollten uns auf einen Lockdown einstellen."

In Hongkong gelten bereits seit einiger Zeit die strengsten Einschränkungen seit Beginn der Pandemie. So dürfen sich maximal zwei Personen treffen, die Schulen sind geschlossen und im Freien herrscht eine Maskenpflicht. Die Regierungschefin von Hongkong, Carrie Lam, erklärte am Montag, es gebe keine Pläne für eine Verschärfung der Maßnahmen, da es angesichts der schon bestehenden strikten Einschränkungen nur begrenzten Spielraum gebe. Hongkong hat mehr als 700.000 Covid-19-Infektionen und etwa 4.200 Todesfälle gemeldet, die meisten davon in den vergangenen drei Wochen. Allein am Montag registrierte die Millionenmetropole 249 Todesfälle. (reuters)