Ukraine-Krieg, Druck auf chinesische Firmen in den USA und schon wieder eine Corona-Welle. In einigen Städten, darunter die Tech-Metropole Shenzhen, wurden sogar neue Lockdowns verhängt. Das beunruhigte die Aktienmärkte in der Volksrepublik: Der Hang Seng Index in Hongkong fiel um 4,97 Prozent auf 19.531 Punkte und damit auf den niedrigsten Stand seit sechs Jahren. An der Börse in Shanghai gab der Composite Index um 2,61 Prozent auf 3.223 Punkte nach, während der Shenzhen Component Index ein Minus von 3,08 Prozent auf 12.063 Punkte hinnehmen musste. Für China, das bisher auf seine Null-Corona-Politik so stolz war, ist das ein schwerer Rückschlag.

Landesweit wurden in China am Montag 1.337 lokale Infektionen und 788 asymptomatische Fälle entdeckt, die in China einzeln aufgeführt werden. Am Tag zuvor hatte es einen Rekord von insgesamt mehr als 3.100 Fällen gegeben. Die Ansteckungen hatten jüngst zugenommen, nachdem vor drei Wochen erst einige Dutzend am Tag gemeldet worden waren.

China reagiert mit Ausgangssperren, Massentests, Transportbeschränkungen und Quarantäne auf lokale Ausbrüche. In mehreren Städten wurde mit dem Bau provisorischer Krankenhäuser mit tausenden von Betten begonnen, um Infizierte zu isolieren. Das Land ist zudem weitgehend abgeschottet.

Über 30 Prozent der Fälle im Jahr 2022 wurden in der nordöstlichen, an Nordkorea angrenzenden Provinz Jilin gefunden. Jilin erstreckt sich über 187.400 Quadratkilometer, das ist zwei Mal die Größe von Portugal. Seinen 24,1 Millionen Einwohnern wurde nun untersagt, aus oder in die Provinz oder durch verschiedene Gebiete innerhalb der Provinz zu reisen.

Öffis in Shenzhen eingestellt

Weiter südlich in der Stadt Shenzhen haben Beamte die Öffis vorübergehend eingestellt und die Menschen aufgefordert, von zu Hause aus zu arbeiten. Die Apple-Zulieferer Foxconn und Unimicron Technology Corp haben beide am Montag den Betrieb in Shenzhen eingestellt.

Auch Volkswagen hat wegen eines Corona-Lockdowns in der nordostchinesischen Metropole Changchun vorübergehend die Produktion in drei seiner Werke gestoppt. Die Werke, die gemeinsam mit dem chinesischen Partner FAW betrieben werden, sollen auf Anordnung der Behörden vorerst für drei Tage bis einschließlich Mittwoch geschlossen bleiben, erklärte eine VW-Sprecherin in Peking.

Betroffen sind demnach ein VW-Werk, ein Audi-Werk sowie ein Komponentenwerk. Die Schließung bedeute laut der Sprecherin nicht automatisch, dass auch weniger Fahrzeuge gebaut werden. So könnten Ausfälle später etwa mit Sonderschichten nachgeholt werden, wenn es zu keinem längerfristigen Produktionsstopp kommt.

"Alarmierendes" Tempo

Experten befürchten schwere Folgen für die chinesische Wirtschaft und Auswirkungen auf die ohnehin angespannten internationalen Lieferketten. "Chinas Wirtschaft könnte erneut schwer getroffen werden", erklärten die Analysten der japanischen Investmentbank Nomura. Die Corona-Situation in der Volksrepublik habe sich in der vergangenen Woche in einem "alarmierenden" Tempo verschlechtert. "Der Ausbruch hat nun fast alle Teile Chinas erreicht, die von großer wirtschaftlicher Bedeutung sind."

Paul Weedman vom Beratungsunternehmen Victure Industrial in Shenzhen warnt in diesem Zusammenhang vor einem Domino-Effekt: "Stellen Sie sich vor, Sie haben eine Fabrik mit 100 Mitarbeitern und können plötzlich nichts mehr tun - Sie können Ihre bestehenden Aufträge nicht erfüllen, Sie können keine neuen Aufträge annehmen. Das hat Auswirkungen nicht für zwei oder drei Wochen, sondern für drei bis sechs Monate." (vasa/reuters/dpa/apa)