Mit 7,9 Prozent hatten die USA im Februar die höchste Inflationsrate seit 40 Jahren. Das hat mit Preisstabilität nichts mehr zu tun. Schon seit Monaten müssen Konsumenten für Waren und Dienstleistungen immer tiefer in ihre Taschen greifen, während gleichzeitig der Konjunkturmotor brummt und die Arbeitslosenzahl schrumpft - zuletzt auf das niedrigste Niveau seit Beginn der Pandemie. Höchste Zeit also, dass die US-Notenbank nach zwei Jahren Corona-bedingtem Niedrigzins damit beginnt, ihren nicht mehr zeitgemäß wirkenden geldpolitischen Schlüsselsatz anzuheben.

Am Mittwoch wird es jedenfalls soweit sein. Da haben die Notenbanker um Fed-Chef Jerome Powell die nächste Sitzung, und da werden sie auch einen ersten Zinsschritt setzen. De facto gilt das bereits als ausgemacht, zumal letzthin alle Signale der Fed - trotz des Krieges in der Ukraine - darauf hingedeutet haben. Der Druck zu handeln hat in den vergangenen Monaten immer mehr zugenommen, schließlich ist die Federal Reserve aktuell von ihrem Inflationsziel von 2 Prozent meilenweit entfernt.

Fritz Mostböck, Chefanalyst der Erste Group, rechnet für Mittwoch wie große Teile des Marktes mit einer Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte. "Das ist mit ziemlicher Sicherheit zu erwarten." Dass die Fed den Leitzins, der seit zwei Jahren bei 0 bis 0,25 Prozent liegt, gleich um einen halben Prozentpunkt hinaufsetzt, glaubt der Finanzmarktexperte nicht. Angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine sowie der damit verbundenen Wirtschaftssanktionen werde sie sich wohl nur vorsichtig vorwagen, meint Mostböck.

"Aus heutiger Sicht", wie er betont, sei dann noch von zwei weiteren Zinserhöhungen um jeweils 0,25 Prozentpunkte für das laufende Jahr auszugehen - konkret "im Mai und im Juni". Mit durchschnittlich 5,8 Prozent sieht Mostböck die US-Inflation im Gesamtjahr 2022 zwar auf "nachhaltig hohem Niveau" - getrieben durch den kriegsbedingt beschleunigten Energiepreisanstieg (die Fed selbst hielt bei ihrer Vorschau im Dezember noch eine Rate von 2,6 Prozent für wahrscheinlich). Dennoch dürfte die US-Notenbank das Tempo bei ihren Zinserhöhungen eher moderat halten, da es mit Blick auf die Konjunktur "viele Unsicherheitsfaktoren rund um den Russland-Ukraine-Krieg gibt", so Mostböck.

Lohn-Preis-Spirale als Gefahr

Unterdessen spricht auch der US-Arbeitsmarkt, der heiß zu laufen droht, für eine Zinswende in den USA. Im Februar sank die Arbeitslosenquote auf 3,8 Prozent, das war der tiefste Wert seit Ausbruch der Viruskrise im Frühjahr 2020. "Der enge Arbeitsmarkt und die Gefahr einer sich schneller drehenden Lohn-Preis-Spirale erhöhen die Inflationsrisiken. Für die Fed ist es also höchste Zeit zu reagieren", zitiert die britische Nachrichtenagentur Reuters Bernd Weidensteiner, einen Ökonomen der Commerzbank. Zur Erklärung: Als Lohn-Preis-Spirale bezeichnet man einen Aufschaukelungseffekt zwischen Lohnerhöhungen einerseits und Preiserhöhungen andererseits infolge dauernder Anpassungsreaktionen von Privathaushalten und Unternehmen auf eine inflationäre Entwicklung.

Neuer Zinsausblick

Trotz der Inflationsrisiken hat US-Währungshüter Charles Evans kürzlich jedoch gemahnt, es mit Straffungsschritten nicht zu übertreiben. Es ginge über das Erforderliche hinaus, wenn die Zinsen bei jeder Sitzung im laufenden Jahr erhöht würden, sagte der Chef des Fed-Bezirks Chicago. Wie stark die Notenbanker die Zügel in den USA anziehen wollen, wird aus ihrem Zinsausblick ersichtlich, den sie am Mittwoch aktualisieren werden.