Im Streit um die Zinszahlungen für zwei Staatsanleihen in Fremdwährungen sieht die russische Regierung die USA am Zug. "Wir haben das Geld, wir haben die Zahlung geleistet", wurde Finanzminister Anton Siluanow am Mittwoch in einem Interview mit RT Arabic auf dem Telegram-Kanal des Ministeriums zitiert. "Jetzt liegt der Ball vor allem bei den amerikanischen Behörden."

Erstmals seit Beginn des Ukraine-Kriegs wurden an diesem Mittwoch Zinszahlungen für russische Dollar-Anleihen fällig. Das Land muss insgesamt 117 Millionen Dollar (106 Mio. Euro) an seine Gläubiger ausschütten. Da Russland aber wegen des Einmarschs in das Nachbarland vom Westen mit harten Sanktionen belegt wurde, ist unklar, ob die Regierung in Moskau die Anleihen bedienen kann oder will. "Die Fähigkeit oder Unfähigkeit, unsere Verpflichtungen in Fremdwährungsäquivalent zu erfüllen, hängt nicht von uns ab", sagte Siluanow.

Es wäre der erste Zahlungsausfall seit der Russischen Revolution 1917, als die Bolschewiken Schulden aus der Zarenzeit nicht anerkannten. Derzeit sind russische Fremdwährungsanleihen im Gesamtvolumen von etwa 40 Milliarden Dollar im Umlauf. Rund die Hälfte davon wird von ausländischen Investoren gehalten.

Ein Zahlungsausfall Russlands könnte der Ratingagentur Fitch zufolge in Kürze drohen. Sollte Russland die beiden fälligen Dollar-Anleihen in der stark abgewerteten heimischen Währung Rubel bedienen, würde die Agentur dies nach eigenen Angaben nach dem Ablauf einer 30-tägigen Gnadenfrist als Staatspleite werten. Mehrere Ratingagenturen hatten ihre Bewertung für die Kreditwürdigkeit Russlands zuletzt tief in den Ramsch-Bereich gedrückt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hält gravierende Folgen für das weltweite Finanzsystem im Fall einer Staatspleite Russlands jedoch für wenig wahrscheinlich. (apa, dpa)