Die türkische Notenbank hat ihren Leitzins trotz einer extrem hohen Inflation erneut nicht angetastet. Er bleibe bei 14 Prozent, teilte die Zentralbank am Donnerstag in Ankara mit. Volkswirte hatten mit der Entscheidung gerechnet. Seit Beginn des Jahres haben Währungshüter den Zins stabil gehalten, nachdem er im vergangenen Jahr massiv gesenkt worden war.

Der aktuelle Leitzins liegt deutlich unter der sehr hohen Inflationsrate, die im Februar auf rund 54 Prozent gesprungen war. Auch in den kommenden Monaten wird mit einer hohen Inflation in der Türkei gerechnet. Nach Einschätzung des Experten Tatha Ghose von der Commerzbank liegen die mittelfristigen Inflationserwartungen mittlerweile bei über 40 Prozent.

Zu den hohen Inflationserwartungen tragen auch die Folgen des Ukraine-Kriegs bei. Die Türkei ist auf Energieimporte angewiesen und leidet daher unter dem jüngsten Preissprung an den Rohstoffmärkten.

Erdogan: Hohe Zinsen verursachen Inflation

Als Grund für die starke Teuerung gelten unter Experten aber auch die Wirtschaftspolitik des Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und seine Forderung niedriger Leitzinsen. Er glaubt entgegen der vorherrschenden Lehrmeinung, dass hohe Zinsen eine Inflation verursachen. "Die Geldpolitik der türkischen Notenbank entbehrt jeglicher Inflationsbekämpfung", kommentierte Commerzbank-Experte Ghose.

Nach der Zinsentscheidung hat die Lira die Verluste aus dem frühen Handel weiter ausgebaut. Generell hat die Geldpolitik zu einem Verfall des Wechselkurses der Lira geführt, den die Notenbank mit Interventionen aufzuhalten versucht. Nachdem sich die Lira im Handel mit dem Dollar und dem Euro in den Monaten Jänner und Februar vergleichsweise stabil halten konnte, ist sie im März wieder stärker unter Druck geraten. Die schwache Lira sorgte über stark steigende Einfuhrpreise für weiteren Preisdruck. Die Bevölkerung leidet vor allem unter hohen Energie- und Lebensmittelpreisen. (apa/dpa-afx)