Zwei Jahre ist das Zinskarussell in den USA aufgrund des wirtschaftlichen Schocks durch die Pandemie still gestanden. Doch nun dreht es sich wieder, nachdem die Inflation in der größten Volkswirtschaft der Welt mit fast acht Prozent zuletzt so stark angezogen hat wie seit vier Jahrzehnten nicht mehr. Wie von den Märkten erwartet, hob die US-Notenbank Fed den lange an die Null-Linie gedrückten Leitzins am Mittwoch um 0,25 Prozentpunkte auf die neue Zielspanne von 0,25 bis 0,50 Prozent an. Dabei werden es die Währungshüter freilich nicht belassen. Trotz des russisch-ukrainischen Krieges, durch den Abwärtsrisiken für die US-Konjunktur bestehen, signalisierten sie nach ihrer Sitzung ein entschlossenes Vorgehen im Kampf gegen die rasant steigenden Verbraucherpreise.

"Falls wir zu dem Schluss kommen, dass es angemessen wäre, die Zinsen schneller zu erhöhen, werden wir es tun", betonte Fed-Chef Jerome Powell. Für das laufende Jahr sei jedenfalls geplant, die Zinszügel stetig straffer zu ziehen, damit sich die erhöhte Inflation nicht festsetze. Dabei dürfte selbst ein Zinserhöhungsschritt von einem halben Prozentpunkt, wie ihn die Fed seit gut 20 Jahren nicht mehr gewagt hat, kein Tabu sein, schließen Beobachter aus den jüngsten Ansagen des obersten US-Notenbankers.

Deutlich höheres Zinsziel

Offensichtlich brennt jetzt in den USA angesichts der Inflation, die durch die Energiepreisschübe, die Lieferkettenprobleme und die großzügigen staatlichen Corona-Konsumhilfen für Privathaushalt getrieben wird und auszuufern droht, der Hut. Anders kann sich Monika Rosen, Finanzmarktexpertin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft (ÖAG), nicht erklären, warum die Federal Reserve bei ihren restlichen sechs Sitzungen im heurigen Jahr nun jeweils eine Leitzinsanhebung sieht und ihr jetziges Zinsziel bis Jahresende auf 1,9 Prozent lautet.

"Das ist von den Märkten so nicht ganz erwartet worden", sagt Rosen. "Noch im Dezember sind die Erwartungen der US-Währungshüter per Ende 2022 einen vollen Prozentpunkt tiefer gelegen."

Nach ihren für heuer indizierten Schritten nimmt die Fed für 2023 drei weitere Erhöhungen ihres geldpolitischen Schlüsselsatzes in Aussicht, erst für 2024 keine mehr, wie Rosen erklärt. Damit zeichnet sich ein wahres Zins-Stakkato ab, das den Leitzins aus Sicht der Währungshüter bis zum Jahresende 2023 auf 2,8 Prozent hinauftreiben könnte. Und damit wird der Kurs der US-Notenbank wohl auch aggressiver ausfallen als von vielen Fachleuten erwartet.

Fed will Bilanz verkürzen

Rosen relativiert im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" aber: "Die Fed würde keinen so restriktiven Kurs fahren, wenn sie nicht der Meinung wäre, dass die US-Konjunktur das verträgt. Das ist letztlich ein gutes Zeichen." Notenbanker Powell selbst erklärte nach der am Mittwoch vollzogenen Zinswende, dass die amerikanische Wirtschaft "stark genug" sei, auch eine Reihe weiterer Zinserhöhungen wegzustecken - trotz der Folgen des Ukraine-Krieges.

Was bei der Fed neben den ins Auge gefassten Zinsschritten ebenfalls ansteht, ist eine Verkürzung ihrer in der Corona-Krise auf fast neun Billionen Dollar aufgeblähten Bilanz. Das soll noch heuer angegangen werden. Die Fed werde dabei darauf verzichten, auslaufende Wertpapiere - abreifende Anleihen etwa - durch neue zu ersetzen, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters Thomas Gitzel, den Chefvolkswirt der liechtensteinischen VP Bank. Der damit verbundene Liquiditätsentzug könne weit über eine reine Zinserhöhung hinausreichen, die Reduktion des Wertpapierbestandes ähnle einem Verstärker. Gitzels Fazit: "Die Fed meint es mit der geldpolitischen Wende sehr ernst."

EZB noch in Warteposition

Unterdessen hat sich die britische Notenbank mit einer erneuten Zinsanhebung gegen den starken Preisauftrieb im Land gestemmt. Sie erhöhte den Leitzins am Donnerstag um einen Viertelpunkt auf 0,75 Prozent.

Die Europäische Zentralbank (EZB) will hingegen noch zuwarten, obwohl die vor allem von den Energiepreisen befeuerte Inflationsrate im Euroraum (auch in Österreich) im Februar mit 5,9 Prozent weit über der Zielmarke von 2 Prozent lag. Wie berichtet, haben die Euro-Währungshüter zuletzt jedoch beschlossen, ihre milliardenschweren Anleihenkäufe rascher zurückzufahren und schon im Sommer zu beenden, falls dies der Inflationsausblick erlaubt. Damit wäre der Weg für die Zinswende frei. EZB-Ratsmitglied Klaas Knot sagte am Donnerstag, er halte eine Zinserhöhung im vierten Quartal für realistisch.

Mit Blick auf den Ukraine-Konflikt erklärte EZB-Chefin Christine Lagarde, dass man bei Bedarf auch neue Instrumente einsetzen könnte. Notfalls würden alle erforderlichen Schritte gesetzt, falls sich die Folgen des Krieges verschärfen und die Konjunkturerholung abzuwürgen drohen.