Der Internationale Währungsfonds (IWF), die Weltbank und weitere große Kreditgeber der Weltgemeinschaft haben vor verheerenden Folgen des Ukraine-Kriegs für die globale Wirtschaft gewarnt. "Die gesamte Weltwirtschaft wird die Auswirkungen der Krise zu spüren bekommen", heißt es in einer am Freitag verbreiteten gemeinsamen Erklärung der Institutionen.

Es drohten ein langsameres Wachstum, Handelsprobleme und eine deutlich anziehende Inflation. Der Konflikt bremse die Energie- und Lebensmittelversorgung und treibe die Armut in die Höhe.

Unterschrieben wurde die Erklärung neben dem IWF und der Weltbank unter anderem auch von der Europäischen Investitionsbank (EIB) und der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD). Die Kreditgeber zeigten sich in ihrer Erklärung "entsetzt und zutiefst besorgt wegen der russischen Invasion in der Ukraine und der daraus folgenden Krise".

Angriffe verursachen enormes Leid

Angriffe auf Zivilisten und deren Infrastruktur verursachten nicht nur enormes Leid und führten zu Vertreibung, sondern gefährdeten auch Frieden und Sicherheit in der Welt sowie soziale und wirtschaftliche Grundbedürfnisse der Weltbevölkerung, warnten die Institutionen. Schließlich raube der Krieg den Menschen "in der Region und darüber hinaus ihre Lebensgrundlage".

Die Spitzen der Banken und Institutionen hatten sich am Donnerstag zu Gesprächen über die globalen Folgen des Kriegs zusammengefunden.

S&P senkt Russlands Bonität weiter

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat die Kreditwürdigkeit Russlands weiter abgestuft. Die Bonität sinkt um eine Note auf "CC", wie S&P am späten Donnerstagabend mitteilte. Die Bewertung befindet sich damit zwei Stufen über "Zahlungsausfall". Hintergrund ist die Frage, ob Russland aufgrund der Finanzsanktionen wegen des Einmarschs in die Ukraine fällige Zinszahlungen aus Staatsanleihen leisten kann.

S&P sieht die Zahlungsfähigkeit Russlands gefährdet. Das Land sei "sehr anfällig für Zahlungsausfälle", erklärten die Bonitätsprüfer. Dem stehen Medienberichte gegenüber, wonach die an den Zinszahlungen beteiligten Banken entsprechende Überweisungen weitergeleitet haben. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg mit Bezug auf informierte Kreise berichtet, soll die US-Bank JPMorgan entsprechende Finanzmittel an Citigroup weitergeleitet haben. Es geht um Zinsen in Höhe von 117 Millionen US-Dollar (106 Mio. Euro), die auf russische Staatsanleihen fällig sind. Die Zahlung befinde sich bei der für die Auszahlung zuständigen Bank Citigroup, erklärte das russische Finanzministerium. Man sei damit seinen Verpflichtungen nachgekommen.

Die Angelegenheit ist kompliziert, da die betroffenen russischen Anleihen in Dollar aufgelegt wurden und Zinszahlungen daher normalerweise in Dollar fließen müssen. S&P bemerkt dazu, dass ein Zahlungsausfall festgestellt werden könnte, wenn Investoren keinen Zugriff auf ihr Geld haben oder Zahlungen in einer Währung erfolgten, die nicht in den Anleihebedingungen aufgeführt sind und der Investor der alternativen Zahlung nicht zustimme. Die russische Regierung hat bereits signalisiert, Zinszahlungen in Rubel zu tätigen, falls Zahlungen in US-Dollar aufgrund von Finanzsanktionen nicht möglich sind.

Zahlungsausfall technischer Natur

Experten verweisen darauf, dass ein solcher Zahlungsausfall Russlands vor allem technischer Natur wäre. Denn grundsätzlich hätte das Land die Mittel, um Zinsen aus seinen Staatsschulden zu bezahlen. Allerdings ist ein Großteil der Mittel aufgrund von Finanzsanktionen blockiert.

Ungeachtet dessen können Probleme in der Zahlungsabwicklung auftreten, da zahlreiche russische Banken vom internationalen Zahlungsinformationssystem Swift ausgeschlossen wurden. Drastische Folgen für das internationale Finanzsystem im Fall eines russischen Zahlungsausfalls sehen die meisten Experten aufgrund der vergleichsweise geringen Auslandsverschuldung Russlands bisher nicht. (apa)