Die USA erwägen die Freigabe von bis zu 180 Millionen Barrel Öl aus den nationalen Notreserven über mehrere Monate, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters mit Verweis auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Mit der Maßnahme sollen die Kraftstoffpreise gesenkt werden, die seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine stark gestiegen sind.

Demnach plane die USA eine Million Barrel Öl pro Tag zur Verfügung zu stellen, so die Insider. Der Schritt sei ein Versuch, die Ölpreise zu kontrollieren, die aufgrund der hohen weltweiten Nachfrage auf über 100 Dollar pro Barrel gestiegen seien.

Ölpreise fallen

Daraufhin sind die Ölpreise am Donnerstag auf den Weltmärkten stark gefallen. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte WTI fiel um mehr als 5 Prozent und lag in der Früh bei 102,20 Dollar (91,86 Euro). Die Nordseesorte Brent fiel um mehr als 4 Prozent auf 108,65 Dollar.

Die USA hatten Anfang des Monats wegen des Ukraine-Kriegs ein Embargo gegen russisches Öl erlassen. Dies trieb die Preise in die Höhe und verstärkte den Druck auf die Inflation weltweit, die sich bereits auf dem höchsten Stad seit mehreren Jahrzehnten befindet.

US-Vorräte schrumpften überraschend stark

Zudem wurde bekannt, dass die US-Lagerbestände an Rohöl vergangene Woche überraschend deutlich gefallen sind. Die Vorräte sanken im Vergleich zur Vorwoche um 3,5 Millionen Barrel (159 Liter) auf 410,0 Millionen Barrel, wie das US-Energieministerium am Mittwoch in Washington mitteilte. Analysten hatten im Schnitt nur mit einem Rückgang um 2,0 Millionen Barrel gerechnet.

Die Benzinbestände stiegen überraschend, und zwar um 0,8 Millionen auf 238,8 Millionen Barrel. Die Vorräte an Destillaten (Heizöl, Diesel) legten ebenfalls unerwartet zu. Hier stand ein Plus von 1,4 Millionen auf 113,5 Mio. Barrel zu Buche. Die US-Ölproduktion zog auf 11,7 Millionen Barrel pro Tag an. 

IEA- und Opec-Treffen am Freitag

Auch Spekulationen auf eine Freigabe von Rohölreserven durch Mitglieder der Internationalen Energieagentur (IEA) lassen den Ölpreis am Donnerstag abrutschen. Die IEA hat nach Angaben eines Sprechers des neuseeländischen Energieministers für Freitag ein außerordentliches Treffen einberufen.

Unabhängig davon steht im Tagesverlauf auch ein Treffen der "Opec+", zu der neben den Mitgliedern des Exportkartells weitere Förderländer wie Russland gehören, auf der Agenda.
Trotz der Spekulationen auf ein europäisches Embargo russischen Öls rechnen Experten damit, dass die Gruppe an ihrer Politik einer maßvollen Ausweitung der Fördermengen festhält. (apa/Reuters)