Die Inflation im Euroraum ist infolge des Ukraine-Krieges auf ein neues Rekordhoch gestiegen und bringt die EZB zusehends in die Bredouille. Dienstleistungen und Waren kosteten im März durchschnittlich 7,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das Statistikamt Eurostat am Freitag auf Basis einer ersten Schätzung mitteilte. In Österreich betrug die Inflationsrate im März nach einer Schnellschätzung der Statistik Austria 6,8 Prozent - der höchste Wert seit 1981.

Die Inflation ist nunmehr weit über das Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von 2,0 Prozent hinausgeschossen und bringt die weiter auf Niedrigzinskurs steuernden Währungshüter in Erklärungsnöte. Die nächste zinspolitische Sitzung des EZB-Rats - mit anschließender Pressekonferenz - steht am 14. April 2022 an. Der Leitzins im Euroraum verharrt schon seit längerer Zeit auf einem Rekordtief von null Prozent. Parken Banken Gelder bei der EZB, müssen sie dafür 0,5 Prozent Zinsen zahlen. 

Manche Experten zeigten sich alarmiert: "Jetzt kommt es darauf an, dass die EZB endlich den Fuß vom Gas nimmt. Ansonsten steigen die Inflationserwartungen weiter, und die hohe Inflation setzt sich dauerhaft fest", warnte Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer.

Preistreiber Energie

Haupttreiber der Inflation sind die stark gestiegenen Preise für Energie, die im Zuge des Ukraine-Kriegs noch weiter anzogen. Sie legten auf Jahressicht um 44,7 Prozent zu, nachdem es im Februar bereits 32,0 Prozent waren. Unverarbeitete Lebensmittel verteuerten sich um 7,8 Prozent. Die EZB stellt sich auf kurze Sicht auf noch weiter steigende Verbraucherpreise im Euroraum ein. EZB-Vizechef Luis de Guindos rechnet erst in einigen Monaten mit dem Höhepunkt der Inflationswelle. In der zweiten Jahreshälfte soll sie sich dann abflachen.

Vorstufe einer Zinserhöhung

Zugleich dürfte die Wirtschaft nach dem Ukraine-Schock vorerst nur noch vor sich hindümpeln, wenn der Spanier mit seiner Prognose recht behält. Für das erste Quartal ist demnach nur ein geringes Wachstum zu erwarten und für das zweite Quartal ein Wert nahe null. Die EZB will im dritten Quartal ihre milliardenschweren Anleihenkäufe beenden, wenn es die Inflationsaussichten zulassen. Das Aus des Bond-Programms gilt als Vorstufe einer Zinserhöhung, die "einige Zeit" nach Ende der Anleihen-Zukäufe vollzogen werden soll. Einige Währungshüter dringen darauf, dass die Wende zügig eingeleitet wird. Der österreichische Notenbankchef Robert Holzmann brachte bereits den September als Termin für eine Zinswende ins Gespräch.

"Der Ukraine-Krieg und die Rückkehr der Corona-Pandemie in China werden den Preisdruck hochhalten, die Inflation wird zum Dauergast", prophezeit Chefökonom Alexander Krüger von der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe. Bei einem Handelsembargo im Streit des Westens mit Russland wegen der Ukraine-Invasion stünden ein Inflations-GAU und eine heftige Rezession bevor, meint er: "Wegen trüber Konjunkturaussichten wird die EZB nicht mehr als Leitzinskosmetik wagen." (reuters)