Angesichts der hohen Inflation will die US-Notenbank Fed kräftig an der Zinsschraube drehen und ihre Bilanz wohl schon im Mai eindampfen. Dies geht aus den am Mittwoch veröffentlichten Protokollen der geldpolitischen Sitzung vom 16. März hervor. Demnach halten es viele der Währungshüter für angebracht, dass ein großer Zinsschritt von einem halben Prozentpunkt oder auch mehrere solche Erhöhungen künftig angemessen sein könnten.

Dies gelte, falls Inflationsrisiken erhöht bleiben oder sich gar noch intensivieren sollten. Bereits bei der März-Sitzung waren viele Mitglieder des für die Zinspolitik zuständigen Offenmarktausschusses dafür, einen solch großen Zinsschritt zu gehen.

Das Gremium entschied sich jedoch für eine Anhebung um einen Viertel Punkt auf das neue Zinsniveau von 0,25 bis 0,50 Prozent - wohl auch vor dem Hintergrund der Unsicherheit infolge des Ukraine-Krieges. Fed-Direktorin Lael Brainard hatte jüngst ein aggressives Vorgehen signalisiert und betont, die Notenbank sei auch bereit, stärker zu handeln, falls es die Inflationsentwicklung erfordere.

Lieferengpässe im Zuge der Corona-Krise haben mit dazu geführt, dass die Verbraucherpreise zuletzt mit 7,9 Prozent so kräftig gestiegen sind wie seit 40 Jahren nicht mehr.

Mit großen Zinsschritten ist zu rechnen

Angesichts des hohen Inflationsdrucks wird an den Finanzmärkten mit ungewöhnlich großen Zinsschritten im Mai und Juni von jeweils einem halben Prozentpunkt gerechnet: Ende des Jahres könnte der Leitzins nach weiteren Straffungen in einer Spanne von 2,5 bis 2,75 Prozent liegen.

Als flankierende Maßnahme will die Fed ihre in der Krise durch massive Anleihenkäufe auf fast neun Billionen Dollar aufgeblähte Bilanz eindampfen, womit den Finanzmärkten Liquidität entzogen wird. Notenbankchef Jerome Powell und auch Brainard hatten signalisiert, dass bereits im Mai mit dem Abschmelzen begonnen werden könne.

Auf der Sitzung im März wurde bereits ein konkreter Fahrplan durchgespielt: Demnach könnten die Staatsanleihenbestände zunächst um monatlich 60 Milliarden Dollar (54,70 Milliarden Euro) abgeschmolzen werden und zugleich der Bestand an Hypothekenpapieren (MBS) um 35 Milliarden Dollar verringert werden. Den Überlegungen zufolge könnten die abzuschmelzenden Beträge über einen Zeitraum von drei Monaten oder auch etwas länger schrittweise eingeführt werden.

Die Sitzungsteilnehmer waren sich generell einig, dass auch der aktive Verkauf von MBS-Papieren als angemessen erwogen werden könne, sobald der Prozess der Bilanzverkürzung in Gang gekommen sei. Eine abschließende Entscheidung zu dem Bilanzabbau sei damit zwar noch nicht getroffen worden. Doch habe man substanzielle Fortschritte bei der Vorbereitung erzielt, so dass der Startschuss bereits nach Abschluss der Zinssitzung erfolgen könne, die für den 3. und 4. Mai anberaumt ist. (reuters)