Der wohl bestbezahlte Chef eines DAX-Unternehmens 2021 ist seit Juni Privatier. Rubin Ritter hat in seinem letzten Jahr an der Spitze des deutschen Modeversenders Zalando eine Vergütung von 89 Millionen Euro erhalten, wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht. Der Löwenanteil davon entfällt auf Aktienoptionen, die Ritter in den Jahren 2011, 2013 und 2014 erhalten hat - zum Großteil noch vor dem Börsengang von Zalando.

Noch vor seinem Rücktritt übte er Optionen im Wert von 42,5 Mio. Euro aus, danach weitere für 46,6 Millionen. Die Co-Vorstandschefs Robert Gentz und David Schneider - die Gründer von Zalando - kamen dank der Optionsprogramme 2021 auf je 45,5 Mio. Euro.

Ritter hatte im Dezember 2020 seinen Rückzug angekündigt, um seiner Frau - einer Richterin - die Gelegenheit zu geben, mehr Karriere zu machen. Laut seinem Linkedin-Profil ist er in Elternzeit. Er hatte das Start-up-Unternehmen aus Berlin 2014 an die Börse gebracht. Heute ist Zalando mehr als 12 Mrd. Euro wert und seit der Aufstockung des Leitindexes eines von 40 DAX-Unternehmen. Bereits für 2020 kam Ritter durch die Ausübung eines Aktienoptionsprogramms auf eine Vergütung von 53,3 Mio. Euro.

Zalando betonte im Geschäftsbericht, die Optionen seien für Leistungen in den Jahren 2011 bis 2017 gewährt worden, als sich das Unternehmen "in einem frühen Entwicklungsstadium" befunden habe. Geld sei der Firma dadurch nie entzogen worden, die Aktien kämen aus dem bedingten Kapital. Im vergangenen Jahr hat Zalando eine Obergrenze für die Vergütungen der Vorstandschefs von 15,75 Mio. Euro eingeführt, für normale Vorstände liegt sie bei 10,5 Mio. Euro.

Ehemalige Start-ups, die an der Börse erfolgreich wurden, gehören seit einigen Jahren zu den deutschen Unternehmen mit den höchsten Vorstandsgehältern - dank der Aktienboni, die sie seit Jahren angesammelt hatten. 2020 war der Chef des Lieferdienstes Delivery Hero, Niklas Östberg, mit einer Gesamtvergütung von 45,7 Mio. Euro einer der Top-Verdiener im Dax. Der Vergütungsbericht für 2021 liegt noch nicht vor. Der Chef des Softwareanbieters Teamviewer, Oliver Steil, hatte im vorvergangenen Jahr sogar 71 Mio. Euro bekommen. Neue Regeln für den Ausweis der Vorstandsgehälter erschweren allerdings seit heuer deren Vergleichbarkeit deutlich. (apa)