Zusätzliche neun Milliarden Kubikmeter Gas wird Italien ab 2023 aus Algerien beziehen. Dies geht aus einem Abkommen hervor, das der italienische Energiekonzern mit dem algerischen Partner Sonatrach unterzeichnet hat. Damit will Italien einen weiteren, wichtigen Schritt auf dem Weg zur Unabhängigkeit von russischen Gasimporten unternehmen.

Ab sofort wird Italien 3 Milliarden Kubikmeter zusätzliches Erdgas beziehen, erklärte der Minister für den ökologischen Wandel Roberto Cingolani, der mit dem italienischen Premierminister Mario Draghi und Außenminister Luigi Di Maio am Montag nach Algerien zur Unterzeichnung eines Kooperationsabkommens im Energiebereich gereist ist.

Das Gas von der algerischen Wüste nach Mazara del Vallo auf Sizilien wird durch die Transmed-Pipeline geliefert. Ab 2023 soll ein Drittel der Importe aus Russland mit algerischem Gas ersetzt werden. Eni und Sonatrach werden unter anderem das neu entdeckte Gasfeld im Gebiet Berkine Sud nutzen.

Draghi kündigte an, dass die Zusammenarbeit im Energiebereich über Gas hinausgehen und sich auch auf Wasserstoff und erneuerbare Energien konzentrieren werde, die die treibende Kraft für "Entwicklung und Beschäftigung" seien. Die Vereinbarungen von Algier seien "eine wichtige Antwort", um "die Abhängigkeit von russischem Gas zu verringern", erklärte Draghi in einer kurzen Erklärung vor dem Präsidentenpalast in Algier am Montagabend.

Weitere Abkommen in Afrika

"Unmittelbar nach der Invasion in der Ukraine habe ich angekündigt, dass Italien schnell handeln wird", betonte Draghi, der in den kommenden Wochen zunächst nach Kongo und Angola und dann nach Mosambik fliegen wird, um andere Abkommen zu unterzeichnen, die die russischen Lieferungen ersetzen sollen.

Der Krieg verändere die "Strategien der Energiepolitik", und die Mittelmeerländer könnten zu zentralen "Drehscheiben" für Energie werden, so Draghi vor der italienischen Gemeinschaft in Algier. "Wir dürfen uns nicht unvorbereitet zeigen. Aus diesem Grund sollten in der Zwischenzeit auch die erneuerbaren Energien vorangetrieben werden, ein weiterer Schwerpunkt des italienischen Plans zur Diversifizierung der Energiequellen", erklärte der Premierminister.

Mit Algerien, dem bereits führenden Partner Italiens in Afrika, werden die Investitionsprojekte über den Energiebereich hinausgehen. Geplant sind gemeinsame Projekte in den Bereichen Agrarindustrie, Produktion von Hubschraubern, Steigerung der Weizenproduktion und den Bau von Hochseefischereibooten.