In der Ukraine brummen nicht nur die Motoren von Militärfahrzeugen, sondern mittlerweile auch die der Traktoren. Obwohl Krieg herrscht, haben Bauern in fast allen Landesteilen mit ihrer Frühjahrsaussaat begonnen. Ausnahme ist nach Angaben des Ministerpräsidenten Denys Schmyhal lediglich das ostukrainische Gebiet Luhansk, das russische Truppen nahezu komplett kontrollieren.

Um die Landwirte zu unterstützen, stellt die Regierung in Kiew insgesamt 3,5 Milliarden Hrywnja (110 Millionen Euro) in Form günstiger Kredite bereit. Auch die Registrierung landwirtschaftlicher Technik soll vereinfacht werden. "Wir machen das, damit die Aussaat und die Arbeit auf dem Feld nirgendwo zum Erliegen kommen", so Schmyhal in der Nacht zum Mittwoch.

Zusammen mit Russland gehört die Ukraine zu den wichtigsten Getreideproduzenten der Welt. Wegen des russischen Angriffskrieges werden große Ernteausfälle befürchtet, die Knappheit und Preissteigerungen an den internationalen Agrarmärkten zur Folge haben könnten.

Vor diesem Hintergrund hat Brüssel inzwischen Hilfen für den ukrainischen Agrarsektor in die Wege geleitet, nachdem Kiew der EU eine entsprechende Liste präsentierte. Landwirtschaftskommissar Janusz Wojciechowski sagte vorige Woche bei einem Treffen der EU-Agrarminister, dass die ukrainischen Landwirte unter anderem Treibstoff, Saatgut, Düngemittel, Pestizide, Tierarzneimittel und landwirtschaftliche Maschinen benötigten.

Die EU-Kommission ist nun damit beauftragt, die Lieferung der Hilfen zu koordinieren. Um die Energieversorgung innerhalb des global so wichtigen ukrainischen Landwirtschaftssektors abzusichern, wurde bereits ein Fonds eingerichtet, der von Regierungen und Finanzorganisationen gespeist wird, damit für die jetzige Frühjahrsaussaat genug Diesel-Treibstoff verfügbar ist.

Steiermark schickt Saatgut

Die Hilfen müssten sehr schnell, rechtzeitig für die Aussaat, erfolgen, wie Wojciechowski bei dem jüngsten Meeting in Luxemburg erklärte, dem auch der ukrainische Agrarminister Mykola Solsky zugeschaltet war. Dabei hieß es, dass sich Kiew bemühe, die landwirtschaftliche Produktion, wo immer sie möglich ist, aufrechtzuerhalten. Demnach könne auf bis zu 70 Prozent des ukrainischen Bodens "heute gesät und morgen geerntet werden".

In Österreich hat das Land Steiermark am Mittwoch drei Lkw-Transporter mit Soja-, Mais-und Kartoffelsaatgut in Richtung Ukraine losgeschickt. Die Zielorte sind Lemberg und Kirovohrad, wie aus einer Presseaussendung der Steiermärkischen Landesregierung hervorgeht.

Internationale Hilfsorganisationen hatten zuletzt immer wieder davor gewarnt, dass ein Ausfall ukrainischer Getreidelieferungen zu einer weltweiten Verschärfung des Hungers beitragen könnte. Viele Entwicklungsländer sind von diesen Lieferungen abhängig. Entwicklungshelfer geben zu bedenken, dass die kriegsbedingt steigenden Lebensmittelpreise in vielen Ländern für politische Instabilität sorgen und zu neuen Flüchtlingsbewegungen in Richtung Europa führen könnten.

Auch in Österreich hat der Ukraine-Krieg Ängste vor einer Lebensmittelknappheit ausgelöst. Allerdings besteht kein Grund zur Sorge. "Österreich ist sehr gut aufgestellt und kann sich bei fast allen Grundnahrungsmitteln gut selbstversorgen", hatte es zuletzt aus dem Landwirtschaftsministerium geheißen. (kle)