Dänemark will angesichts der russischen Invasion in der Ukraine seine Gasförderung in der Nordsee vorübergehend ausweiten. Die Haushalte will man schnell auf Fernwärme umstellen. "Wir sind überzeugt, dass es besser ist, Gas in der Nordsee zu fördern, als es von Wladimir Putin zu kaufen", sagte Ministerpräsidentin Mette Frederiksen. Die Regierung hält eine Steigerung um ein Viertel kurzfristig für möglich. Im nächsten Jahr könne man so unabhängig von russischen Importen sein.

Ziel bleibe es aber, ganz auf Gas zu verzichten. Dafür wolle man erneuerbare Energien schnell ausbauen. Die Erzeugung von Wind- und Solarstrom soll der Regierung zufolge bis 2030 vervierfacht werden.

Dänemark will sich schnellstmöglich frei von russischem Gas machen und mit fossilen Brennträgern heizende Haushalte auf umweltfreundlichere Alternativen umstellen. Wie die Ministerpräsidentin am Dienstag vor Journalisten in Kopenhagen sagte, sollen alle Hausbesitzer mit Gas- oder Ölheizungen noch bis Ende 2022 schriftlich Bescheid bekommen, ob sie Fernwärme beziehen können oder nicht.

Rund 400.000 Privathaushalte in dem Sechs-Millionen-Einwohnerland heizen heute mit Erdgas. Bis zu 50 Prozent davon sollen Klimaminister Dan Jørgensen zufolge bis spätestens 2028 auf Fernwärme umgestellt haben. Der Rest, bei dem dies nicht möglich ist, soll beispielsweise Wärmepumpen bekommen oder auf dänisches Gas umgestellt werden, das die Dänen als "grünes Gas" bezeichnen. Momentan werden rund 55 Prozent der gesamten Wohnfläche im Land mit Fernwärme beheizt, insgesamt rund 27 Prozent mit Erdgas oder Öl.

Die dänische Regierung lotet angesichts des russischen Angriffskriegs in der Ukraine darüber hinaus mit anderen Akteuren Möglichkeiten aus, wie die Gasförderung auf bereits lizenzierten Feldern in der Nordsee vorübergehend gesteigert werden könnte. Das geht aus einem parallel veröffentlichten Regierungsvorschlag zur grünen Umstellung und zur Abkehr von der Abhängigkeit von russischem Gas hervor. Wenn das sogenannte Tyra-Feld nach Renovierungen 2023 wieder in Betrieb genommen wird, wird demnach damit gerechnet, dass Dänemark mehr Gas produziert als es verbraucht. Im vollen Betrieb soll das Feld Erdgas liefern können, das bis zu sieben Prozent des derzeitigen deutschen Jahresimports von russischem Gas entspricht.

Ehrgeiziges Ziel

Isoliert betrachtet werde Dänemark schon 2023 unabhängig von russischem Gas sein, sagte Frederiksen dazu. Da man jedoch Teil des europäischen Gasnetzes sei, sei diese Unabhängigkeit erst erreicht, wenn Europa kein russisches Gas mehr beziehe. Es brauche nicht nur nationale, sondern europäische Lösungen. Sicherheits- und Energiepolitik ließen sich nicht voneinander trennen, betonte die Regierungschefin.

Dänemark will seine klimaschädlichen Treibhausgas-Emissionen bis 2030 im Vergleich zu 1990 um 70 Prozent verringern. Auf dem Weg dorthin will die Regierung unter anderem die Stromproduktion von Solarparks und Onshore-Wind bis 2030 vervierfachen, wie Frederiksen sagte. (apa, dpa, reuters)