Der reichste Mann der Welt kauft also eines der größten sozialen Netzwerke der Welt. Tesla-Chef Elon Musk kauft um 46,5 Milliarden US-Dollar den Kurznachrichtendienst Twitter. Das Übernahmeangebot wurde am Montagabend vom Twitter-Vorstand angenommen. Damit will Musk den Aktionären 54,2 Dollar je Aktie zahlen. Ein sehr verlockendes Angebot, denn vor Musks Offert wurde die Twitter-Aktie um je 40 Dollar gehandelt. Und auch nach der vom Vorstand abgesegneten Übernahme dotierte die Aktie am Dienstag bei etwas über 51 US-Dollar.


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Theoretisch ist der Deal eigentlich noch nicht durch. Die Aktionäre müssen noch zustimmen. "Es ist zwar möglich, aber unwahrscheinlich, dass sie nein sagen", sagt Monika Rosen, Börsenexpertin und Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft, zur "Wiener Zeitung". In solchen Fällen sei es üblich, schon im Vorfeld Gespräche mit den Großaktionären zu führen.

Das US-Unternehmen wurde 2006 gegründet und hat mittlerweile 217 Millionen Nutzerinnen und Nutzer, 80 Prozent davon außerhalb der USA. Künstler, Promis, Politiker, Journalisten und Wirtschaftstreibende nutzen die Plattform für ihre Botschaften, mit teilweise beträchtlicher Followerschaft. In den Geschäftszahlen spiegelte sich die Popularität aber bisher nicht wider. Bis Ende 2017 machte Twitter nie Gewinn, 2018 beendete das Unternehmen erstmals ein Jahr in den schwarzen Zahlen. Vergangenes Jahr gab es einen Verlust von 221 Millionen Dollar (206 Millionen Euro). Am Donnerstag werden neue Unternehmenszahlen präsentiert.

Relisting-Szenario

25,5 Milliarden Dollar sollen über Kredite finanziert werden. Unter anderem von der US-Investmentbank Morgan Stanley. 21 Milliarden US-Dollar soll Musk selbst beisteuern. Wobei der Multi-Milliardär natürlich nicht so viel Geld in cash parat hat. Vielmehr soll der Deal durch Tesla-Aktien besichert werden, deren Eigentümer Musk ist. In zahlreichen US-Medien wurde aber spekuliert, ob Musk überhaupt so viel Geld aufbringen kann. Laut Rosen wird es schwierig, diese Aktien zu belehnen, weil sie volatil sind und der Kurs schwankt. "Es ist durchaus möglich, dass Musk weitere Investoren an Bord holt", meint Rosen.

Und noch etwas schein möglich und sorgt für Spekulationen auf den internationalen Finanzportalen. Musk plant nach dem Kauf, Twitter von der Börse zu nehmen. Danach könnte das Unternehmen restrukturiert und nach Musks Vorstellungen umgebaut werden, um dann erneut - quasi als ganz neue Firma - an die Börse zu gehen.

Wie dieser Umbau ausfallen wird, darüber wird nun heftig spekuliert. Es hängt auch stark davon ab, welche Rolle Musk als Eigentümer künftig einnehmen wird und wie aktiv er diese gestaltet. Neben Tesla gehören Musk noch das Raumfahrtunternehmen SpaceX, das Gehirnchip-Startup Neuralink und The Boring Company, die unter anderem an Vakuum-Tunneln forscht.(del)