Der US-Notenbank ist es ernst mit der Bekämpfung der Inflation. Am Mittwoch hat sie sich mit der kräftigsten Zinserhöhung seit 22 Jahren gegen die rasant steigenden Verbraucherpreise gestemmt. Wie erwartet, hob die Fed den Leitzins um einen halben Prozentpunkt an, womit die neue Spanne bei 0,75 bis 1,00 Prozent liegt. Vor dem Hintergrund einer Teuerungsrate von zuletzt bereits 8,5 Prozent kommt das Zinskarussell in der größten Volkswirtschaft der Welt nun immer mehr in Schwung, nachdem die amerikanischen Währungshüter die Zinswende im März mit einer Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte eingeleitet haben.

Aber auch in Großbritannien geht es angesichts starker Preissteigerungen mit den Zinsen weiter rauf. Am Donnerstag setzte die Bank of England den Leitzins auf 1,0 Prozent. Dieser Schritt, abermals im Ausmaß von 0,25 Prozentpunkten, war bereits der vierte binnen sechs Monaten.

EZB: "Wir müssen handeln"

In der Eurozone lässt die Zinswende hingegen trotz des ebenfalls hohen Inflationsdrucks weiter auf sich warten. Allerdings mehren sich die Stimmen in der Europäischen Zentralbank (EZB) inzwischen, wonach eine Zinserhöhung im gemeinsamen Währungsgebiet besser früher als später erfolgen sollte. "Jetzt reicht es nicht mehr, zu reden, wir müssen handeln", sagte etwa EZB-Direktorin Isabel Schnabel kürzlich dem deutschen "Handelsblatt". "Aus heutiger Sicht halte ich eine Zinserhöhung im Juli für möglich."

Im April hat die Inflation auf ein Rekordhoch von 7,5 Prozent weiter zugelegt, während der Leitzins im Euroraum noch immer - mittlerweile seit mehr als sechs Jahren - auf dem Rekordtief von null Prozent liegt. Nach Schnabels Worten beschränkt sich der Preisanstieg allerdings nicht nur auf Energie und Lebensmittel: "Wir sehen eine Verbreiterung des Inflationsdrucks."

Indes stehe außer Zweifel, dass höhere Lohnforderungen kommen, falls die Inflation längere Zeit hoch bleibe, so die deutsche Notenbankerin. Noch würden sich Löhne und Preise nicht gegenseitig hochschaukeln, Geldpolitik müsse aber vorausschauend handeln. "Wir dürfen nicht erst reagieren, wenn eine Lohn-Preis-Spirale bereits in Gang gekommen ist", warnte Schnabel.

Fed: Inflation "viel zu hoch"

Große Notenbanken wie die Fed sind der EZB beim Straffen ihrer Geldpolitik jedenfalls schon mehrere Schritte voraus. US-Notenbankchef Jerome Powell betonte nach dem jüngsten Zinsentscheid, es sei "unbedingt erforderlich", die Inflation zu senken. Diese sei "viel zu hoch", sie schade Bürgern und Betrieben. "Wir handeln rasch, um sie wieder zu senken", versprach der oberste Währungshüter der Vereinigten Staaten.

Wie Powell weiter erklärte, könnte der Ukraine-Krieg für einen zusätzlichen Preisdruck sorgen und die wirtschaftlichen Aktivitäten beeinflussen. Daneben warnte er vor weiteren Problemen bei den internationalen Lieferketten infolge neuer Corona-Lockdowns in China, was ebenfalls zu Inflationsdruck führen könnte.

Mit Blick auf die USA rechnet Erste-Group-Chefanalyst Fritz Mostböck jetzt mit weiteren Zinsschritten in rascher Abfolge: "Bis Jahresende erwarten wir weitere Erhöhungen von insgesamt 150 Basispunkten - also 1,5 Prozentpunkten." Die Spanne würde dann rein rechnerisch bei 2,25 bis 2,50 Prozent liegen. An den Terminmärkten wird zum Jahresende hingegen ein Zinsniveau von mindestens 2,75 Prozent gesehen.

Monika Rosen, Finanzmarktexpertin der ÖAG, der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft, meinte am Donnerstag, dass die Fed offenbar bestrebt sei, ihre geldpolitische Straffung so vorzunehmen, dass die Konjunktur nicht zu sehr an Fahrt verliert. "De facto hat Powell eine Zinsanhebung um 75 Basispunkte für die nächsten zwei Zinssitzungen ausgeschlossen", erklärte Rosen. "Das hat an den US-Börsen Erleichterung ausgelöst, die Hoffnung auf eine sanfte Landung ist gestiegen. Man hofft, dass die USA eine Rezession vermeiden können."

Speziell vor diesem Hintergrund sieht Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der deutschen KfW-Bankengruppe, die Fed denn auch vor einem "Balanceakt" im laufenden Jahr. Erklärtes Ziel der US-Notenbanker sei es, die Rekordinflation mit einer restriktiveren Geldpolitik einzufangen, ohne Gefahr zu laufen, die Konjunktur zu stark abzuwürgen, wie sie der Nachrichtenagentur Reuters sagte.

Bilanzsumme soll schrumpfen

Ihren Kampf gegen die Inflation will die Fed aber nicht nur mit Zinserhöhungen bestreiten, sondern auch mit einem Abbau ihrer Bilanzsumme, die sich in der Corona-Krise durch Anleihenkäufe auf rund 9 Billionen Dollar, umgerechnet 8.530 Milliarden Euro, aufgebläht hat. Dieses Manöver soll im Juni starten, wie die Notenbank nun beschloss.

Zunächst soll das Portfolio um bis zu 47,5 Milliarden Dollar pro Monat schrumpfen, indem fällig werdende Staatsanleihen und Hypothekenpapiere nicht mehr reinvestiert werden. Ab September soll das Abbau-Tempo dann auf bis zu 95 Milliarden Dollar gesteigert werden. Erste-Chefanalyst Mostböck geht von einem länger dauernden Abbauprozess aus: "Vermutlich wird das Niveau erst 2026 auf das Vor-Pandemie-Level von Anfang 2020 sinken."