Der russische Energieriese Gazprom teilt mit, dass er kein Gas mehr über die Jamal-Europa-Pipeline durch Polen exportieren könne. Hintergrund seien die russischen Sanktionen gegen das Unternehmen, dem der polnische Abschnitt der Pipeline gehört. "Es wurde ein Verbot von Transaktionen und Zahlungen an sanktionierte Unternehmen verhängt", erklärt der Staatskonzern.

"Für Gazprom bedeutet dies ein Verbot der Nutzung einer Gaspipeline im Besitz von EuRoPol GAZ für den Transport von russischem Gas durch Polen", hieß es am Donnerstag.

"Gas als Waffe"

Der deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck wertet die russischen Gas-Sanktionen in diesem Zusammenhang als neue Stufe im Konflikt mit dem Energie-Lieferanten. Jetzt realisierten sich Ankündigungen, Öl und Gas als Waffe einzusetzen, sagte der Grünen-Politiker am Donnerstag in Berlin. "Wir haben eine Lieferung, die nicht mehr erfolgt, in einer Menge von zehn Millionen Kubikmeter Gas täglich aus Russland." Diese Menge sei aber ersetzbar, wenn auch vermutlich zu höheren Preisen.

Das Volumen entspreche über den Rest des Jahres etwa drei Prozent des deutschen Bedarfs. Ziel der Sanktionen gegen die unter deutscher Kontrolle stehende Gazprom-Germania sei offenbar, den Einkauf zu verteuern. Man habe aber Vorsorge getroffen, um neue Verträge finanziell abzusichern.

Es gebe derzeit keinen Grund, die Gas-Frühwarnstufe auf Alarm hoch zu setzen, sagte Habeck. Allerdings könne sich die Situation hochschaukeln, etwa wenn weiter weniger Gas durch die Ukraine fließe oder es Komplikationen mit der von Russland geforderten Zahlung in Rubel geben.

Lieferstopp über Ukraine-Abschnitt

Die Ukraine will Gas von Russland nach Europa über die unterbrochene Schlüsselroute Sochranowka erst bei Garantien weiterleiten. Kiew müsse erst die Kontrolle über sein Gastransitsystem wiedererlangen, wie der Netzbetreiber GTSOU am Donnerstag auf Nachfrage gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters erklärte. GTSOU zufolge floss bisher über Sochranowka fast ein Drittel des Erdgases, das von Russland über die Ukraine nach Europa geleitet wird.

Am Mittwoch wurde aber ein Stopp verkündet. Die Gaspipeline verläuft durch die ukrainische Region Luhansk, von der ein Teil seit 2014 unter der Kontrolle von Separatisten steht, die von Russland unterstützt werden. Russland ist am 24. Februar in die Ukraine einmarschiert und hat Landesteile im Osten und Süden besetzt.

Der GTSOU-Vertreter Sergey Makogon betonte, dass die Kapazität des staatlichen russischen Gaskonzerns Gazprom ausreiche, um all seine nach Europa gehenden Mengen über die Sudscha-Transitstrecke als Ausweichroute zu liefern. Diese bleibe offen. Gazprom habe offenbar nicht gewusst, dass die von Moskau unterstützten Separatisten im Osten begonnen hätten, durch die Ukraine fließendes Gas zu stehlen. Das hatte die Ukraine als einen der Gründe dafür genannt, diese Schlüsselroute zu schließen. (apa)