Der so genannte Krypto-Winter, das Abkühlen des Marktes und Kursstürze von Kryptowährungen, hat nun auch Österreich erreicht. Das Wiener Finanzunternehmen Bitpanda, das erste österreichischen Unicorn (als solches gilt ein Start-up mit einer Bewertung ab einer Milliarde Dollar) entlässt fast ein Drittel seiner mehr als 1000 Mitarbeiter. "In den vergangenen Monaten hat sich die Marktstimmung dramatisch verändert, angeheizt durch geopolitische Spannungen, steigende Inflation und die Sorge vor einer bevorstehenden Rezession. An den Finanzmärkten herrscht derzeit große Unsicherheit, und obwohl wir wissen, dass die Branche zyklisch ist, weiß niemand, wann sich die Grundstimmung des Marktes ändern wird", hieß es in einer Stellungnahme der Unternehmensführung an Belegschaft und Öffentlichkeit am Wochenende.

"Zu schnell gewachsen"

Man sei nicht nachhaltig, sondern zu schnell gewachsen, räumen die drei Gründer in dem Statement Fehler ein: "Wir hatten einen Punkt erreicht, an dem mehr eingestellte Leute nicht unbedingt zu mehr Effizienz geführt haben." Künftig werde man mit 730 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weitermachen – mit ihnen will das Unternehmen neue Modelle entwickeln, wie es weitergehen soll. Bitpanda ist eine Börse für Krytowährungen, handelt aber auch mit Aktien und Edelmetallen und ist an neun Standorten in Europa vertreten. Investiert ist unter anderem der Tech-Milliardär Peter Thiel. Das Unternehmen hielt zuletzt bei einer Bewertung von 3,5 Milliarden Euro.

Keine stabile Währung

Wie wird es also in der Branche weitergehen? "Kryprowährungen werden weiterhin als Risiko-Investitionen gehandelt werden, aber man muss sich von der Idee verabschieden, dass sie einen Börsencrash abfedern können. Denn die wichtigste Funktion einer Währung, einen stabilen Wert zu sichern, haben sie nicht erfüllt", sagt Atanas Pekanov, Forscher am Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO. "Die letzten Wochen haben gezeigt, dass sich Kryprowährungen nicht als reale Währung etablieren konnten", so der Finanzmarktexperte.

Tatsächlich bemängelte auch die in Basel ansässige Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in einem jüngsten Marktbericht grundlegende Strukturschwächen solcher Digitaldevisen. Speziell ein Dorn im Auge der BIZ sind Stablecoins, wie etwa der virtuellen Währung TerraUSD oder Luna, die auf Kursstabilität ausgerichtet sind. Das soll ihre Nutzung als Zahlungsmittel oder Wertanlage vereinfachen, weswegen ihr Kurs oft an klassische Währungen wie den US-Dollar oder den Euro gekoppelt ist. "Umso spektakulärer war daher der jüngste Kursverfall von Stablecoins wie TerraUSD", analysierte Reuters. Aus Sicht der BIZ mangelt es jeder Form von Geld an Glaubwürdigkeit, hinter der keine regierungsgestützte Institution steht, die durch Steuern finanzierte Reserven nutzen kann. Analysten zufolge hat der Markt für Kryptowährungen seit November mehr als zwei Billionen Dollar an Wert eingebüßt.

Kurze Jobsuche

Bei Bitpanda werden die entlassenen Mitarbeiter unter anderem bei der Jobsuche unterstützt und bei Bedarf psychologisch betreut. Bitpanda sind nicht die einzigen, die auf die Lage an den Finanzmärkten mit Kündigungen reagieren. Laut Branchenmedien wie Blockworks oder auch Trending Topics verzeichnen sie unter den Krypto-Handelsplattformen aber den größten Mitarbeiterabbau. Generell ist der Tech-Sektor gerade empfindlich – auch Unternehmen wie der Zahlungsdienstleister Klarna oder der Lieferservice Gorillas bauten in den vergangenen Monaten Mitarbeiter ab. Die Jobpause werde aber von kurzer Dauer sein, heißt es in der Branche, denn allein in europäischen Techfirmen sind mehr als 10.000 Stellen unbesetzt.