Angesichts absehbar steigender Zinskosten ist die Nachfrage von Unternehmen und Verbrauchern in der Eurozone nach vergleichsweise günstigen Krediten gestiegen. Banken reichten im Mai um 5,8 Prozent mehr Darlehen an Firmen aus als vor Jahresfrist, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Mittwoch mitteilte. Das ist das stärkste Wachstum seit mehr als einem Jahr, das von Ökonomen so auch erwartet worden war.

Im April war das Plus noch bei 5,2 Prozent gelegen, im März bei 4,1 Prozent. An die Privathaushalte vergaben die Institute im Mai um 4,6 Prozent mehr Darlehen als ein Jahr zuvor - eine kräftigere Zunahme gab es zuletzt Ende 2008.

Extreme Teuerungsrate

Der Grund für die verstärkte Kreditnachfrage dürfte in der bevorstehende Zinswende der EZB angesichts der hohen Inflation liegen. Die Teuerungsrate liegt in der Währungsunion aktuell auf dem Rekordwert von 8,1 Prozent und ist damit gut viermal so hoch wie von der EZB angestrebt. Sie hat deshalb angedeutet, ihren Leitzins im Juli erstmals seit 2011 anzuheben - und zwar um einen viertel Prozentpunkt. Für September signalisierte sie, nachzulegen und dann um einen halben Prozentpunkt hochzugehen. Höhere Zinsen könnten die Nachfrage dämpfen und damit auch den Preisauftrieb.

Das Wachstum der Geldmenge M3 verringerte sich dagegen im Mai von zuvor 6,1 auf nun 5,6 Prozent, den niedrigsten Wert seit zwei Jahren. Hier hatten Ökonomen 5,8 Prozent erwartet. M3 umfasst unter anderem Bargeld, Einlagen auf Girokonten sowie Geldmarktpapiere und Schuldverschreibungen. Volkswirten zufolge kann auf mittlere bis lange Sicht eine stark wachsende Geldmenge ein Indikator für eine steigende Inflation sein. Die monatlichen Daten zu Geldmenge und Kreditvergabe liefern der EZB Anhaltspunkte zur Entwicklung der Finanzierungsbedingungen im Währungsraum. Für die Festlegung der Geldpolitik geben sie daher wichtige Orientierungshilfen. (apa, dpa)