Energie-Engpässe aufgrund des Krieges in der Ukraine, eine steigende Inflation, große Unsicherheiten für Unternehmen in den Ländern der Europäischen Union. Am ersten Blick wirkt die wirtschaftliche Situation wenig berauschend. Doch EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni lässt sich die Stimmung nicht verderben. "Ich glaube nicht, dass wir vor einer Rezession stehen", sagt er bei seinem Wien-Besuch am Donnerstag.

Auch, wenn die Inflation gerade hoch sei, bis zum Jahresende werde sie wieder zurückgehen. Gentiloni verwies auch auf die Ersparnisse, die sich "auf einem hohen Niveau" befinden. Zudem komme der Tourismus wieder zurück und laufe in vollen Zügen quer durch Europa wieder an.

Weiters seien die öffentlichen Investitionen nicht rückläufig. "Das ist aus ökonomischer Sicht sehr wichtig", betont der EU-Kommissar. In der Finanzkrise 2008/2009 seien sie sukzessive nach unten gegangen.

Und auch die Arbeitslosigkeit sei so niedrig wie noch nie seit der Euro-Einführung. Laut dem Statistikamt Eurostat lag die Quote heuer im Mai auf einem Rekordtief von 6,6 Prozent in der Eurozone und von 6,1 Prozent in der gesamten EU.

Arbeitslosigkeit auf Tiefstand

Ein Jahr zuvor lag die Quote noch deutlich höher bei 8,1 Prozent. Seit dem Frühjahr 2021 ist die Arbeitslosigkeit in den 19 Mitgliedsländern der Eurozone tendenziell gesunken. In der gesamten EU war die Entwicklung ähnlich.

Im Monatsvergleich sank die Zahl der Arbeitslosen im Euroraum im Mai um 81.000 auf rund elf Millionen. Zum entsprechenden Vorjahresmonat ging die Zahl um 2,165 Millionen zurück. Im Währungsraum hat Spanien die höchste Arbeitslosigkeit mit einer Quote von 13,1 Prozent.

Die höchste Arbeitslosigkeit in der Eurozone insgesamt wurde 2013 im Zuge der Euro-Schuldenkrise erreicht. Damals lag die Arbeitslosenquote über der Marke von 12 Prozent.

Gentiloni verweist aber auch auf die Herausforderungen, vor allem was die Unabhängigkeit von russischen Energielieferungen betrifft. "Bis 2027 wollen wir unabhängig sein", sagt er. "Wir arbeiten sehr intensiv an diesem Ziel."

Im Zentrum der Überlegungen stehe ein gemeinsamer Gaseinkauf als "einer der Hauptbestandteile" bei der weiteren Vorgangsweise, sagt der EU-Kommissar. "Politisch wäre eine gemeinsame Gasbeschaffung der nächste notwendige Schritt."

Parallel dazu werde die "Normalisierung der Geldpolitik" der Europäischen Zentralbank (EZB) weiterverfolgt.

Um die hochgesteckten Ziele zu erreichen, sei jedenfalls eines notwendig. "Auf dem Weg zur Energieunabhängigkeit ist es nun an der Zeit, innerhalb der EU Einigkeit zu zeigen."(vasa)