Die europäischen Leitbörsen sind am Donnerstag deutlich tiefer aus dem Handel gegangen. Mit den jüngsten Abgaben verbuchten die Börsen eines der schwächsten ersten Halbjahre seit Jahren. Der Euro-Stoxx-50 fiel um 1,69 Prozent auf 3.454,86 Zähler und rutschte damit laut US-Informationsdienst CNBC seit dem Jahresbeginn in Summe um fast 17 Prozent ab.

Der DAX in Frankfurt schloss mit 12.783,77 Punkten und minus 1,69 Prozent. Mit einem Verlust von fast 20 Prozent absolvierte der deutsche Leitindex eine ernüchternde Bilanz für die erste Jahreshälfte. Der FTSE-100 der Börse London gab am Berichtstag um 1,96 Prozent ab und steht nun bei 7.169,28 Stellen.

Die verstärkten Inflations- und Zinssorgen lasteten nach Einschätzung der Helaba-Analysten merklich auf den Aktienmärkten und die Vortagesverluste wurden ausgeweitet. Andere Experten verwiesen auf Ängste vor einer möglichen Rezession aufgrund der steigenden Leitzinsen in den USA und anderen Ländern.

"Kein Anleger will derzeit in das berühmte fallende Messer greifen und vor dem Sommer noch größere Positionen aufbauen", beschrieb Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar vom Broker RoboMarktes das Marktgeschehen. "Andere wiederum werfen das Handtuch und sichern sich die letzten Gewinne, die aus der Corona-Rally noch übrig sind."

Autowerte verzeichneten erneut deutliche Verluste. Bereits am Vortag war der Sektor unter Druck gekommen. Neben Konjunktursorgen hatte dem Sektor am Vortag die Nachricht zugesetzt, wonach in der Europäischen Union ab 2035 nur noch klimaneutrale Neuwagen verkauft werden sollen. Renault büßten nach den Abgaben am Vortag weitere 2,6 Prozent ein. Volkswagen bremsten um 5,2 Prozent. Mercedes Benz sanken um 4,1 Prozent.

Technologiewerte vermochten sich nach schwachen Vorgaben aus Asien dem Abwärtssog nicht zu entziehen. Beim Schwergewicht ASML (minus zwei Prozent) nahmen Anleger Gewinne mit. Die Aktie notiert trotz deutlicher Abgaben in diesem Jahr noch immer mehr als doppelt so hoch wie beim Corona-Tief 2020. Eine skeptische Studie von Exane BNP setzte zudem SAP zu. Die Aktie des Softwarekonzerns büßte 3,6 Prozent ein.

Auch Banken standen unter Druck. Unter den größten Verlierern waren die Aktien der UBS, die um 1,8 Prozent fielen. Die Bank hatte in den USA im Fall der Betrugsvorwürfe im Zusammenhang mit einer komplexen Anlagestrategie einem Vergleich zugestimmt und muss 25 Millionen Dollar zahlen.

Um mehr als 14 Prozent brachen die Aktien von Uniper ein, nachdem der deutsche Kraftwerksbetreiber seine Ergebnisprognosen für das laufende Jahr wegen der eingeschränkten Gaslieferungen aus Russland kassierte und mit der deutschen Bundesregierung über Stabilisierungsmaßnahmen spricht.

Sanofi ermäßigten sich um 4,5 Prozent. Die US-Investmentbank Goldman Sachs wertete die Nachricht, dass die US-Arzneimittelbehörde FDA die Studien mit dem Medikament Tolebrutinib wegen Leberschäden teilweise ausgesetzt hat, als negativ. Das Mittel sei weithin als einer der wichtigsten Wirkstoffe in der klinischen Spätphase der Sanofi-Pipeline angesehen worden. (apa)