Die wegen westlicher Sanktionen unter Druck stehende russische Industrie hat sich im Juni stabilisiert. Der Einkaufsmanagerindex kletterte minimal um 0,1 auf 50,8 Punkte, wie der Finanzdienstleister S&P Global am Freitag zu seiner monatlichen Umfrage unter Unternehmen mitteilte.

Das Barometer lag von Februar bis April unter der Schwelle von 50, ab der es ein Wachstum signalisiert. Die Produktion sank zwar im vergangenen Monat. Ein Anstieg der Aufträge aus dem Inland und vermehrte Neueinstellungen trugen aber dazu bei, den fünften monatlichen Exportrückgang auszugleichen.

Die Unternehmen berichteten zugleich über erhebliche logistische Herausforderungen. Auch Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Rohstoffen wurden häufig genannt, da die Sanktionen die russischen Lieferketten beeinträchtigt haben. Diese waren nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar verhängt und mehrfach verschärft worden. Nach Schätzungen der Analysten der Investmentbank Renaissance Capital ist etwa ein Drittel der russischen Exporte von den westlichen Sanktionen betroffen.

Starker Rubel

Auch der starke Rubel hat den Angaben zufolge die Nachfrage nach russischen Produkten im Ausland gedämpft, weil diese dadurch teurer werden. Die russische Währung wird auf einem Mehrjahreshoch von rund 52 zum US-Dollar gehandelt. Begünstigt wird der Kursanstieg durch Kapitalverkehrskontrollen. Diese hindern die Russen daran, ihre Ersparnisse in ausländischer Währung abzuheben. Der starke Rückgang der Importe infolge westlicher Sanktionen wegen des Kriegs gegen die Ukraine sowie hohe Erlöse aus Rohstoffexporten tragen ebenfalls dazu bei, ebenso die Steuerzahlungen von russischen Exportfirmen in Rubel.

Die befragten Unternehmen schätzen die Aussichten für die kommenden Monate optimistischer ein als zuletzt. Sie hoffen auf eine Erholung der Kundennachfrage. (reuters)