Die Fluglinien heben wieder ab, die Passagierzahlen liegen auf etwa 85 Prozent der Vor-Corona-Ära, doch auf den Flughäfen herrscht teils Chaos und Verspätungen gehören mittlerweile zum Alltag am Himmel über Europa. Hinzu kommen erheblich höhere Treibstoffkosten sowie der Krieg in der Ukraine. Diese Mischkulanz betrifft auch Billig-Airlines wie Wizz Air, die mit aggressiven Preisen den Markt bearbeiten.

Dennoch gibt sich Wizz-Air-Chef Robert Carey am Mittwoch vor Journalisten in Wien gelassen. Mit einer durchschnittlich unter fünf Jahre alten Flotte aus 165 Flugzeugen benötige man rund 20 Prozent weniger Treibstoff als die Konkurrenz. Weitere Kosten-Stellschrauben sind das Fehlen der Business Class, die Konzentration auf Direktflüge sowie die Vorgabe, nicht mit halbleeren Fliegern abzuheben. Dennoch kann Carey nicht verhehlen, dass es derzeit enorme Herausforderungen gibt, etwa Verspätungen, die sich über den Tag "gleich Schneeball-Effekten" von 15 Minuten auf zwei Stunden summieren, da Engpässe bei Lotsen und Bodenpersonal sowie kriegsbedingte Einschränkungen der Routen den Luftverkehr ausbremsen.

Wizz Air überlegt daher derzeit, den Flugplan um zwei Prozent einzukürzen. Das Netzwerk umfasst aktuell 1.000 Routen von 38 Basen in 16 Ländern aus. Auch in Wien ist der Billig-Carrier mit Hauptsitz Budapest vertreten und hat hier vier Flugzeuge stationiert. Im Juni beförderte Wizz Air 4,3 Millionen Passagiere, das sind 86,1 Prozent Auslastung.

Angesprochen auf Personalmangel, gibt Carey zu, dass insbesondere das Kabinenpersonal in der Corona-Krise abgesprungen sei. Piloten waren hingegen aufgrund der schnelleren Karrieresprünge relativ loyal.

"An einigen Standorten mussten wir auch die Gehälter anheben, um die Mitarbeiter zu halten", lässt er kurz hinter die Kulissen blicken. Im ersten Halbjahr 2022 hat Wizz Air 1.400 neue Mitarbeiter eingestellt.

Die Ticketpreise werden bei allen Airlines aufgrund um 30 bis 40 Prozent höherer Spritpreise steigen, prognostiziert Carey. Für sein Unternehmen rechnet er mit einem Plus um fünf bis zehn Prozent noch diesen Sommer.

Gewinne schreibt in der Branche aktuell ohnehin keiner. "Airlines machen derzeit keine Profite", bringt es der Wizz Air-Chef salopp auf den Punkt.